Entwicklungs- und epileptische Enzephalopathien repräsentieren eine heterogene Gruppe seltener, aber schwerer Epilepsien, die genetisch bedingt sind. Besondere Kaliumkanäle (Kv7‑Kanäle) in Nervenzellen spielen eine entscheidende Rolle bei der Veränderung neuronaler Erregbarkeit. Mutationen in Genen für Kv7-Kanäle stehen im Zusammenhang mit den genetisch bedingten Epilepsien. Diese manifestieren sich in den ersten Lebensmonaten und sind durch Anfälle und Entwicklungsverzögerungen gekennzeichnet. Anfälle bei Kindern mit epileptischen Enzephalopathien sprechen oft schlecht auf Antiepileptika an. Zudem gibt es derzeit keine Therapien für die neurologischen Entwicklungsstörungen. Die Aktivierung neuronaler Kv7-Kanäle ist ein gesicherter Mechanismus für die Behandlung von Epilepsie. Derzeit ist jedoch kein Kv7‑Aktivator für die klinische Anwendung verfügbar.
Ziel des Verbundes ist daher, einen in einem vorherigen Projekt identifizierten Wirkstoff (JNJ‑37822681), der als Aktivator der Kv7-Kanäle funktioniert, als klinischen Kandidaten für die Behandlung epileptischer Enzephalopathien zu entwickeln. Es wird weiterhin untersucht, ob JNJ‑37822681 auch bei verwandten Formen der epileptischen Enzephalopathien wirksam sein könnte, bei denen Hinweise auf eine Beteiligung von Kv7-Kanälen vorliegen (z. B. Dravet‑Syndrom). Im Verbundvorhaben analysiert der Partner ITMP Hamburg die Eigenschaften des Wirkstoffs in Patientenzellen und der Partner Universität Tübingen übernimmt die Analyse des Wirkstoffs beim Dravet-Mausmodell. Darüber hinaus entwickelt das Vorhaben eine Strategie, um eine klinische Erprobung umzusetzen und dabei die Perspektive von Patientinnen und Patienten zu berücksichtigen.
Im Verbund forschen Arbeitsgruppen aus vier Ländern gemeinsam an der Lösung dieser Fragen. Mit der Fördermaßnahme im Rahmen der Europäischen Forschungsallianz für Seltene Erkrankungen (ERDERA)wird das Ziel verfolgt, ergänzende Expertisen und Ressourcen von einschlägig qualifizierten Arbeitsgruppen aus den teilnehmenden Ländern zusammenzuführen. Durch kooperative Forschungsansätze sollen Fortschritte bei der Therapie Seltener Erkrankungen ermöglicht werden, die allein auf nationaler Ebene nicht zu erreichen wären.