Die vom Bundesforschungsministerium geförderte Gesundheitsforschung nimmt die individuellen Unterschiede zwischen den Menschen in den Blick. Das ermöglicht eine Gesundheitsversorgung, von der alle Geschlechter profitieren.
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Ob ein Mensch erkrankt, hängt von vielen Faktoren ab. Neben Alter und Lebensstil spielt auch das Geschlecht eine wichtige Rolle. Um möglichst allen Zielgruppen gerecht zu werden, müssen geschlechterspezifische Lebenslangen und -umstände stärker berücksichtigt werden.
Frauen zum Beispiel waren – und sind – in klinischen Studien oft unterrepräsentiert. So entstand eine systematische Wissens- und Informationslücke in der Erforschung von Krankheiten sowie in der Erfassung und Nutzung medizinischer Daten. Diese Lücke gilt es zu schließen. Deshalb stärkt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die Forschung zur Reduzierung des Gender Data Gap sowie zu Gesundheitsfragen, die besonders Frauen betreffen – etwa bei der Endometriose und den Wechseljahren. Auch sollen Erkrankungen, die alle Geschlechter betreffen, mit innovativen Ansätzen erforscht werden.
Der Gender Data-Gap – möglichst bald nur noch ein Kapitel in der Medizingeschichte
Manche Krankheiten äußern sich bei Frauen anders als bei Männern, sie verlaufen unterschiedlich, werden zum Teil gänzlich übersehen – und erfordern andere Behandlungsansätze. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Herzinfarkt, der bei Frauen vielfältigere und zum Teil unspezifischere Symptome zeigt als bei Männern und Diagnostik und Therapie deshalb verzögern kann. Weitere Beispiele: Frauen leiden häufiger an Autoimmunerkrankungen wie z. B. rheumatoider Arthritis und Multipler Sklerose. Bei Erkrankungen wie Osteoporose, Depression oder Brustkrebs dagegen sind die Prozesse im männlichen Körper nicht gut verstanden. Auch wirken manche Medikamente bei Frauen und Männern unterschiedlich, denn das Geschlecht beeinflusst, wie schnell der Körper ein Medikament umsetzt und damit auch, wie lange und wie stark es wirkt.
Allerdings fehlen in vielen Bereichen noch belastbare Daten zu geschlechtsspezifischen Unterschieden. Die Fachwelt spricht vom Gender Data Gap – meist zu Ungunsten der Frauen. Die Berücksichtigung des Geschlechts muss daher ein fester Bestandteil der medizinischen Forschung werden und konsequent in Diagnose-, Therapie- und Präventionsansätze mit einfließen.
Reproduktive Gesundheit: viel mehr als Kinderwunsch-Erfüllung
Der Begriff reproduktive Gesundheit umfasst weit mehr als Fragen zur Familienplanung oder die medizinische Hilfe bei unerfülltem Kinderwunsch. Die reproduktive Gesundheit hat lebenslange Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit, weil das Fortpflanzungssystem eng mit dem Hormonhaushalt, dem Stoffwechsel, dem Immunsystem und dem Herz-Kreislauf-System verknüpft ist. Neben der menschlichen Fruchtbarkeit und Fortpflanzung umfasst der Begriff zudem Aspekte des körperlichen und seelischen Wohlbefindens mit der eigenen Sexualität. Entsprechend vielfältig sind die Forschungsthemen und die Maßnahmen zur Forschungsförderung in diesem Bereich. Mit einer eigenen Maßnahme stärkt das BMFTR zudem die Forschung zu neuen Verhütungsmitteln. Denn Familienplanung braucht zuverlässige und möglichst nebenwirkungsarme Verhütungsmethoden – innovative gleichberechtigte Ansätze, die auch gesellschaftliche Aspekte berücksichtigen.
Kein Nischenthema: Erkrankungen, die vor allem Frauen betreffen
Darüber hinaus gibt es Krankheiten, die nur oder zumindest überwiegend auf ein Geschlecht beschränkt sind. Großen Forschungsbedarf gibt es etwa bei der Endometriose, einer gynäkologischen Erkrankung, die bislang nur schwer zu diagnostizieren und nur symptomatisch zu behandeln ist. Zur allgemeinen Stärkung der Frauengesundheit nimmt die BMFTR-Forschungsförderung zudem wichtige Phasen im Leben von Frauen in den Blick. Ein Beispiel dafür sind die Wechseljahre – ihr Einfluss auf die Gesundheit von Frauen ist bislang wenig verstanden und zu wenig erforscht.
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