Geschlechtersensible Krebsmedizin im Fokus

Auch in der Krebsmedizin nimmt die Forschung die Unterschiede zwischen Frauen und Männern in den Blick. Dank Forschung gibt es deutliche Fortschritte bei Früherkennung, Therapie und Prävention. Zum Beispiel bei Brust- und Gebärmutterhalskrebs.

Mammografie-Untersuchung in ärztlicher Praxis

Je früher Brustkrebs erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung.

Gorodenkoff/Adobe Stock

Dank des medizinischen Fortschritts haben sich die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen in den vergangenen 40 Jahren deutlich verbessert. Dennoch sind hierzulande Krebserkrankungen – bei Frauen wie auch bei Männern – weiterhin die zweithäufigste Todesursache. Forschung trägt entscheidend dazu bei, das zu ändern. Daher fördert das BMFTR die Krebsforschung in Deutschland und auf internationaler Ebene mit einer Vielzahl von Förderinitiativen.

Dieses Kapitel des Dossiers „Frauengesundheit erforschen“ beleuchtet die Forschungserfolge zu zwei Krebserkrankungen, die ganz überwiegend Frauen betreffen: Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs.

Brustkrebs: Oft gute Heilungschancen und viele innovative Therapien

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 75.000 Frauen. Damit ist etwa jede achte Frau im Laufe ihres Lebens von Brustkrebs betroffen. Aber auch Männer können an Brustkrebs erkranken – wenn auch deutlich seltener: Rund ein Prozent der Betroffenen sind männlich.

Wie bei den meisten Krebserkrankungen gibt es auch bei Brustkrebs erhebliche Fortschritte in den Behandlungsmöglichkeiten. Immer mehr Betroffene können individualisiert therapiert werden. Die Heilungschancen der Erkrankung haben sich dank Krebs- und Pharmaforschung deutlich verbessert, zudem gibt es mit dem Mammographie-Screening eine effiziente Früherkennung.

Nationales Register für erblichen Brust- und Eierstockkrebs

In Registern werden Daten über einen langen Zeitraum dokumentiert. Sie dienen in der Gesundheitsforschung als Wissensspeicher, um die medizinische Versorgung zu verbessern. So auch das bundesweite HerediCaRe-Register: Hier werden genetische und klinische Daten von Frauen mit einer erblichen Belastung für Brust- und Eierstockkrebs erfasst und analysiert. Ziel ist es, die Versorgung und Betreuung von Ratsuchenden und Betroffenen durch neues Wissen stetig zu verbessern. Gefördert vom BMFTR wurde es vom Deutschen Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs aufgebaut – in Zusammenarbeit mit zertifizierten Krebszentren. Weitere Partner sind unter anderem die Deutsche Krebsgesellschaft und die Selbsthilfegruppe BRCA-Netzwerk.
HerediCaRe - Aufbau eines nationalen Registers zur Evaluierung und Verbesserung risiko-adaptierter Prävention für erblichen Brust- und Eierstockkrebs

Studie: Frühzeitig erkennen, wenn ein Tumor zurückkommt

Dank der besseren Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Brustkrebs immer mehr Langzeitüberlebende. Die Betroffenen belastet jedoch oft die Angst vor einem Rezidiv, also dass der Tumor wieder auftritt. Das kommt bei etwa 5 bis 20 von 100 Patientinnen innerhalb von zehn Jahren nach der Erstbehandlung vor.

Wie kann innovative Diagnostik dabei helfen, solche Rezidive frühzeitig zu erkennen? Hier setzt die Brustkrebsstudie SURVIVE im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs (NDK) an. Gestartet im Dezember 2022 prüfen Forschende mit 3.500 Erkrankten neuartige Testverfahren, die ein Rezidiv frühzeitig anzeigen können.

Dafür kommt bei einer Studiengruppe in regelmäßigen Abständen das Liquid-Biopsy-Verfahren zum Einsatz. Blutproben werden auf Spuren von Tumor-DNA und weitere Tumormarker untersucht. Deuten die Testergebnisse auf ein Rezidiv hin, wird eine bildgebende Diagnostik veranlasst und bei einem auffälligen Befund eine entsprechende Therapie gestartet. Sollte die SURVIVE-Studie zeigen, dass die Patientinnen von der intensiveren Diagnostik profitieren, könnte das die Nachsorge bei Brustkrebs nachhaltig verbessern.

Brustkrebsstudie SURVIVE zur Anpassung der Nachsorge an Fortschritte in Diagnostik und Therapie

Personalisierte Krebsmedizin: Mit KI zu zielgerichteten Therapien

In kaum einem anderen Bereich ist das Konzept der personalisierten Medizin so im klinischen Alltag angekommen wie in der Krebsmedizin – das gilt auch für Brustkrebs. Die Grundidee der Präzisionsonkologie ist, gezielte Behandlungen zu entwickeln, die auf die molekularen und zellulären Merkmale der Tumoren jeder einzelnen Frau ausgerichtet sind.

Molekularbiologische Analysen, die Auswertung von Tumorgewebeschnitten oder hochauflösende Bildgebungsverfahren bringen riesige und komplexe Datensätze hervor. Bei ihrer Auswertung helfen KI und andere leistungsstarke Bioinformatik-Anwendungen. KI dient dabei als Werkzeug zur Unterstützung von Früherkennung, Entscheidungsfindung und Therapieplanung bis hin zur eigentlichen Therapie und Nachsorge.

Das BMFTR fördert diese KI-gestützten Ansätze in der Frauengesundheit beispielsweise über die Medizininformatik-Initiative, etwa in dem Verbundprojekt PM4Onco innerhalb der NDK. Hier wird eine dauerhafte Infrastruktur für die sichere Nutzung und den bundesweiten Austausch des Datenschatzes aus der Krebsforschung geschaffen. Auch hier sind KI-gestützte Analysen wichtig, damit molekulare Tumorboards in den onkologischen Exzellenzzentren für die betroffenen Frauen die individuell geeignetste Therapie empfehlen können.

PM4Onco – Personalisierte Medizin für die Onkologie

Auf diesem Video-Startbild ist rechts im Vordergrund eine junge Frau mit schwarzem Oberteil zu sehen. Auf dem schwarzen Hintergrund erscheint ein kreisrundes Mikroskop-Bild mit blau leuchtenden Zellen.

Das Video steht Ihnen zur Ansicht als externer Inhalt auf YouTube zur Verfügung.

Gebärmutterhalskrebs: Wirksame HPV-Impfung als Meilenstein der Medizin

Gebärmutterhalskrebs ist eine oft tödliche, aber mittlerweile in den meisten Fällen vermeidbare Krankheit. Besonders häufig betroffen sind Frauen, die in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen leben: 90 Prozent der jährlich 660.000 Neuerkrankungen und 350.000 Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs auf der Welt ereignen sich dort. Dank Früherkennungsprogrammen sind die Fälle in Deutschland deutlich zurückgegangen, seit einigen Jahren stagnieren die Zahlen. So erkrankten im Jahr 2023 4.300 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 1.400 Betroffene starben.

Fast alle Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen wurden durch eine Infektion mit bestimmten Typen des Humanen Papillomvirus (HPV) verursacht. Die Entwicklung der HPV-Impfung ist ein Meilenstein der Medizin und ein großer Erfolg der Gesundheitsforschung in Deutschland. Klinische Studien belegen eindrucksvoll, wie sicher und wirksam die seit dem Jahr 2006 verfügbare HPV-Impfung ist.

Die HPV-Impfung wirkt und ist sicher

Wie gut die seit dem Jahr 2006 verfügbare HPV-Impfung schützt, zeichnet sich in Studien immer deutlicher ab. Forschende des Cochrane-Netzwerks haben in der bisher umfangreichsten Bestandsaufnahme die Datenlage zur Wirksamkeit und Sicherheit der HPV-Impfung analysiert. Ihr Fazit: Mittlerweile vorliegende Langzeitdaten zeigen übereinstimmend, dass es bei geimpften Frauen zu weniger Gebärmutterhalskrebs-Fällen kommt. Demnach verringert sich das Krebsrisiko im Vergleich zu Nichtgeimpften um 80 Prozent, wenn das Vakzin spätestens im Alter von 16 Jahren verabreicht wird.

Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit der HPV-Impfung | Cochrane Deutschland

Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat zudem die klinische Prüfung von erschwinglichen HPV-Impfstoffen gefördert, die sich für den Einsatz in globalen Impfprogrammen eignen. Auch für junge Männer als HPV-Überträger ist die Impfung wichtig. Sie schützen nicht nur ihre Sexualpartnerinnen und -partner vor einer Infektion, sondern auch sich selbst vor anderen HPV-bedingten Erkrankungen wie Anal- und Peniskrebs. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission auch Jungen die Impfung zwischen neun und 14 Jahren.

Mit der Fördermaßnahme „Forschungsnetzwerke für Gesundheitsinnovationen in Subsahara-Afrika – RHISSA“ leistet das BMFTR einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsforschung, Krankenversorgung und Forschungskapazität in Afrika. Ein wichtiges Ziel des NORA-Netzwerks ist hierbei die Entwicklung angepasster Früherkennungsprogramme und Behandlungsstrategien von Brust- und Gebärmutterhalskrebs, unter denen Frauen in Subsahara-Afrika überproportional häufig leiden.

Impfen gegen Gebärmutterhalskrebs

Studie zu HPV-Impfstoff in der Produktentwicklungspartnerschaft PATH 

Geschlechtersensible Krebsforschung im Fokus

Auch für andere Krebsindikationen rückt die geschlechtersensible Forschung immer stärker in den Blick. So wurde im Mai 2026 eine neue Fördermaßnahme zur geschlechtersensiblen Krebsforschung im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs veröffentlicht. Ziel ist es, innovative Forschung zu fördern, um zukünftig eine bestmögliche personalisierte Behandlung von Krebspatientinnen und Patienten zu erreichen. Hierfür stehen in den nächsten zwei Jahren rund 10 Millionen Euro zur Verfügung.

In der Fördermaßnahme „Reduzierung des Gender Data Gap in der klinischen Forschung“ werden unter anderem geschlechterspezifische Unterschiede bei Immuntherapien sowie bei Krebs-Operationen im Bauchraum untersucht.

Dossier Krebsforschung

Reduzierung des Gender Data Gap in der klinischen Forschung

Richtlinie zur Förderung von Projekten zum Thema „Geschlechtersensible Krebsforschung“– Nationale Dekade gegen Krebs - Gesundheitsforschung BMFTR