Schätzungsweise jeder Fünfte weltweit leidet an chronischen Schmerzen. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität, das Alltags- sowie Berufsleben und belasten das Gesundheitssystem stark. Trotz ihrer Häufigkeit sind die Ursachen und Mechanismen chronischer Schmerzen noch nicht vollständig verstanden, was oft zu unzureichender Diagnose und Behandlung führt. Da Schmerz ein komplexes, individuelles Erlebnis ist, das biologische, psychologische und soziale Faktoren umfasst, sind interdisziplinäre Ansätze notwendig, um die vielfältigen Ursachen und Mechanismen besser zu verstehen und zu behandeln.
Chronische Schmerzen bei Migräne und Endometriose stellen ein erhebliches medizinisches und sozioökonomisches Problem dar. Für beide Erkrankungen gibt es erste Hinweise auf eine Beteiligung von Signalwegen des Moleküls CGRP sowie von hormonellen und immunologischen Prozessen. Diese Mechanismen wurden bisher jedoch überwiegend isoliert und krankheitsspezifisch untersucht. Der Verbund MiNE legt daher den Fokus auf die Aufklärung gemeinsamer molekularer und zellulärer pathophysiologischer Grundlagen chronischer Schmerzen bei Migräne und Endometriose. Im Zentrum stehen Hormone und ihr Einfluss auf Entzündungszellen, Nervenreizung sowie die Aktivität des Moleküls CGRP. Ziel des internationalen Konsortiums ist es, Ansatzpunkte für neue Therapien zu identifizieren.
Der Verbund ist Teil des transnationalen ERA‑NET NEURON und umfasst je eine Forschungsgruppe aus Deutschland, Kanada, Rumänien, Frankreich, Großbritannien und Kroatien. Der deutsche Projektpartner konzentriert sich auf drei Arbeitsziele bei der mechanistischen Erforschung gemeinsamer pathophysiologischer Grundlagen von Migräne und Endometriose: 1.) Generierung und Differenzierung humaner sensorischer Neurone aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPSC); 2.) Funktionelle Analyse der neuronalen Erregbarkeit unter Einfluss von Östrogen und Progesteron; 3.) Integration funktioneller Daten mit genomischen Analysen aus dem Verbund. Langfristig sollen die Ergebnisse zur Entwicklung gezielter Therapieansätze bei Endometriose- und Migräneschmerzen beitragen.