Schätzungsweise jeder Fünfte weltweit leidet an chronischen Schmerzen. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität und belasten das Gesundheitssystem stark. Trotz ihrer Häufigkeit sind die Ursachen und Mechanismen chronischer Schmerzen noch nicht vollständig verstanden. Da Schmerz ein komplexes, individuelles Erlebnis ist, das biologische, psychologische und soziale Faktoren umfasst, sind interdisziplinäre Ansätze notwendig, um die vielfältigen Ursachen und Mechanismen besser zu verstehen und zu behandeln.
Krebserkrankungen und Chemotherapie können eine Ursache für chronische Schmerzen sein. Einen möglichen Ansatzpunkt für Therapien bietet die Barriere zwischen den Blutgefäßen und dem Gehirn und Rückenmark. Um diese Barriere zu steuern, findet in beide Richtungen Kommunikation statt. Der Verbund VASC-in-PAIN baut auf erste Ergebnisse auf, die zeigen, dass Nervenschmerzen zu einer lokalen Öffnung der Barriere zwischen den Blutgefäßen und dem Rückenmark führen können. Deshalb soll das Zusammenspiel zwischen Gefäß- und Nervensystem im Kontext von chemotherapie- und krebsbedingten Schmerzen untersucht werden.
VASC-in-PAIN ist Teil des internationalen Forschungsnetzwerks ERA-NET NEURON und umfasst eine Forschungsgruppe aus Deutschland, zwei aus Frankreich und eine aus Italien. Der deutsche Partner erforscht die Mechanismen, die zu chemotherapie- und krebsbedingten Schmerzen führen. Zudem wird im Tiermodel untersucht, welche Wirkung ein gefäßerweiterndes Medikament auf die Barriere zwischen den Blutgefäßen und dem Gehirn und Rückenmark hat und wie dies die Schmerzempfindlichkeit beeinflusst. Langfristig sollen die Ergebnisse zu einem neuen Therapieansatz für chemotherapie- und krebsbedingte Schmerzen führen.