Schätzungsweise jeder Fünfte weltweit leidet an chronischen Schmerzen. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität, das Alltags- sowie Berufsleben und belasten das Gesundheitssystem stark. Trotz ihrer Häufigkeit sind die Ursachen und Mechanismen chronischer Schmerzen noch nicht vollständig verstanden, was oft zu unzureichender Diagnose und Behandlung führt. Da Schmerz ein komplexes, individuelles Erlebnis ist, das biologische, psychologische und soziale Faktoren umfasst, sind interdisziplinäre Ansätze notwendig, um die vielfältigen Ursachen und Mechanismen besser zu verstehen und zu behandeln.
Neuropathischer Schmerz ist eine der belastendsten Folgen von Rückenmarksverletzungen. Es wird bisher vermutet, dass die Ursachen auf zentralnervösen Mechanismen beruhen. Der Verbund PNS-SCI-NP untersucht die Rolle des peripheren Nervensystems als möglichen Treiber dieser Schmerzen, um neue diagnostische Marker und therapeutische Ziele zu identifizieren. Hierzu werden in einem internationalen Konsortium strukturelle und funktionelle Veränderungen peripherer Nerven bei Menschen mit akuter und chronischer Querschnittlähmung sowie in ergänzenden Tiermodellen systematisch charakterisiert.
Der Verbund ist Teil des transnationalen ERA‑NET NEURON und umfasst je eine Forschungsgruppe aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz. Der deutsche Projektpartner konzentriert sich auf drei Schwerpunkte: 1.) Die Bestimmung peripherer Marker für die Entwicklung neuropathischer Schmerzen, 2.) die Durchführung einer Beobachtungsstudie mit Fokus auf neurophysiologische Daten, Hautbiopsien und Biomarker im Blut und 3.) die Prüfung von Zusammenhängen zwischen Strukturveränderungen und neuroimmunologischen Prozessen und Schmerzverhalten in verschiedenen experimentellen Modellen.