Verbund

NEO - NeuroAI ELSA Observatorium: Ethik und Governance für verantwortungsvolle neuromorphe und KI-gestützte Technologien in biomedizinischen Wissenschaften

Der techn(olog)ische und methodische Fortschritt der modernen Lebenswissenschaften eröffnet neue Lösungswege für aktuelle und künftige Herausforderungen unserer Gesellschaft. Dies wirft ethische, rechtliche und soziale Fragen auf und fordert teils bestehende Wertvorstellungen heraus. Aufgabe innovationsorientierter Forschungspolitik ist es, derartige zukunftsrelevante Fragen frühzeitig zu identifizieren und zu berücksichtigen sowie die Zusammenarbeit von relevanten Interessengruppen zu stärken.

Im Verbund NEO geht es um eine aktuelle Methode der Künstlichen Intelligenz, die von neuronalen Mechanismen des menschlichen Gehirns (NeuroAI) inspiriert wird. Dabei wird sich die Nutzung des menschlichen Gehirns als Vorbild für neue Computer und der Einsatz von KI zur Entwicklung und Anwendung neuronaler Schnittstellen angeschaut. Die Entwicklung und der Einsatz von NeuroAI werfen komplexe Fragestellungen auf: Welche Herausforderungen und Anforderungen bringt die Entwicklung und Anwendung dieser Methoden mit sich? Wie können wissenschaftlich fundierte, gesellschaftlich legitimierte und praktisch umsetzbare Governance- Empfehlungen aussehen? Im Projekt verfolgen sie einen integrierten, methodisch kombinierten Ansatz (embedded-ethics) zur Untersuchung und Gestaltung der ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Implikationen von NeuroAI. Ziel des Projektes ist es, anwendungsorientierte, harmonisierte und praktisch nutzbare ethische und rechtliche Rahmenbedingungen für Forschung und Anwendung von NeuroAI zu erarbeiten.

Damit leistet das Vorhaben einen wichtigen Beitrag zu den Zielen der BMFTR‑Förderrichtlinie zur Förderung von Forschungsprojekten zu ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten von Zukunftsthemen in den modernen Lebenswissenschaften sowie zur entwicklungsbiologischen Forschung und ihre mögliche Anwendung am Menschen. Ziel der Maßnahme ist es, relevante Fragen, Chancen und Risiken zu Zukunftsthemen fachübergreifend zu analysieren, Diskussionsprozesse wissenschaftlich zu fundieren sowie ethisch-rechtliche Empfehlungen zu deren Handhabung zu erarbeiten.

Teilprojekte

Technische Universität München

Förderkennzeichen: 01GP2506A
Gesamte Fördersumme: 366.299 EUR
Förderzeitraum: 2026 - 2029
Projektleitung: Prof. Marcello Ienca
Adresse: Technische Universität München, Fakultät für Medizin, Institut für Geschichte und Ethik in der Medizin
Ismaninger Str. 22
81675 München

Technische Universität München

Das Vorhaben verfolgt einen integrierten, methodisch kombinierten Ansatz zur Untersuchung und Gestaltung der ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Implikationen von NeuroAI. Zunächst wird in einer systematischen Analyse der aktuelle Forschungsstand zu KI-gestützten Neurotechnologien und neuromorphen Systemen ausgewertet. Dabei kommen Methoden der normativen Ethikanalyse, der Rechtsauslegung sowie strukturierte Literatur- und Dokumentenanalysen zum Einsatz. Auf dieser Grundlage entwickelt das Team ein Modell zentraler ethischer Spannungsfelder sowie eine Gap-Analyse bestehender regulatorischer Rahmenbedingungen. Parallel dazu arbeitet das Projekt mit einem "embedded-ethics"-Ansatz: ELSA-Forschende werden direkt in die technischen Forschungsprozesse der Verbundpartner eingebunden. In der zweiten Projektphase erfolgt ein partizipatives Vorgehen zur Governance-Entwicklung. Hierzu werden relevante Stakeholder in ko-kreative Workshops, Fokusgruppen und strukturierte Konsultationen eingebunden. Die gewonnenen theoretischen und empirischen Erkenntnisse dienen als Grundlage für die Erstellung eines harmonisierten Governance-Rahmens sowie eines praxisorientierten ethischen Toolkits. Dieses Teilprojekt (TP1) verfolgt zwei Hauptziele: 1) Es soll eine umfassende ethische und rechtliche Analyse für die Entwicklung und Anwendung neuromorpher und KI-gestützter Neurotechnologien im biomedizinischen Kontext erarbeitet werden. 2) Es sollen auf dieser Grundlage partizipativ Governance-Leitlinien und ein praktisches ethisches Toolkit entwickelt werden, um eine sozial und ethisch verantwortliche Translation und Implementierung von NeuroAI zu ermöglichen.

Charité - Universitätsmedizin Berlin

Förderkennzeichen: 01GP2506B
Gesamte Fördersumme: 246.190 EUR
Förderzeitraum: 2026 - 2029
Projektleitung: Prof. Dr. Surjo Soekadar
Adresse: Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Charité-Mitte, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Charitéplatz 1
10117 Berlin

Charité - Universitätsmedizin Berlin

Das Vorhaben verfolgt einen integrierten, methodisch kombinierten Ansatz zur Untersuchung und Gestaltung der ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Implikationen von NeuroAI. Zunächst wird in einer systematischen Analyse der aktuelle Forschungsstand zu KI-gestützten Neurotechnologien und neuromorphen Systemen ausgewertet. Dabei kommen Methoden der normativen Ethikanalyse, der Rechtsauslegung sowie strukturierte Literatur- und Dokumentenanalysen zum Einsatz. Auf dieser Grundlage entwickelt das Team ein Modell zentraler ethischer Spannungsfelder, sowie eine Gap-Analyse bestehender regulatorischer Rahmenbedingungen. Parallel dazu arbeitet das Projekt mit einem "embedded-ethics"-Ansatz: ELSA-Forschende werden direkt in die technischen Forschungsprozesse der Verbundpartner eingebunden. In der zweiten Projektphase erfolgt ein partizipatives Vorgehen zur Governance-Entwicklung. Hierzu werden Stakeholder in ko-kreative Workshops, Fokusgruppen und strukturierte Konsultationen eingebunden. Die gewonnenen theoretischen und empirischen Erkenntnisse dienen als Grundlage für die Erstellung eines harmonisierten Governance-Rahmens sowie eines praxisorientierten ethischen Toolkits. Dieses Teilprojekt (TP2) konzentriert sich auf die Weiterentwicklung KI-gestützter klinischer Neurotechnologien wie Brain-ComputerInterfaces (BCIs) und Closed-Loop-Neuromodulationssysteme. Durch die kontinuierliche Begleitung von Patientenstudien und Interaktionen mit Klinikern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Patientinnen und Patienten werden die ethischen Herausforderungen identifiziert (u. a. Datenschutz, Vertrauen der Nutzer sowie Einwilligungsprozesse). Es werden szenariobasierte Simulationen mit Patientinnen und Patienten durchgeführt, um den Einsatz von Neuro-Ki in der klinischen Umgebung zu modellieren. Dabei werden empirische Daten generiert, um ethische, klinische und technische Herausforderungen zu antizipieren und frühzeitig diese Erkenntnisse in die Integration von Neuro-Ki-Systemen einzubeziehen.

Forschungszentrum Jülich GmbH

Förderkennzeichen: 01GP2506C
Gesamte Fördersumme: 234.085 EUR
Förderzeitraum: 2026 - 2029
Projektleitung: Prof. Dr. Francesca Santoro
Adresse: Forschungszentrum Jülich GmbH, Institut für Biologische Informationsprozesse (IBI-3)
Wilhelm-Johnen-Straße
52428 Jülich

Forschungszentrum Jülich GmbH

Das NeuroAI ELSA Observatory (NEO) untersucht die ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte (ELSA) neu entstehender NeuroAI-Technologien an der Schnittstelle von Neurowissenschaften, Künstlicher Intelligenz und Biomedizin. Zum einen wird hier die Nutzung des Gehirns als Modell für neuromorphe Systeme und Rechnerarchitekturen genutzt, zum anderen werden KI Systeme zur Entwicklung und Optimierung neuronaler Schnittstellen für biomedizinische und klinische Anwendungen eingesetzt. Diese Entwicklungen werfen Fragen nach menschlicher Autonomie, Verantwortung, Datenethik und der moralischen Bewertung neurotechnologischer Hybridsysteme auf. Zur Bearbeitung dieser Fragen verfolgt NEO einen Embedded-Ethics-Ansatz, bei dem ELSA-Forschende direkt in zwei interdisziplinäre Laborumgebungen eingebunden werden: eines mit Schwerpunkt auf neuromorpher Ingenieurwissenschaft für neurohybride Schnittstellen in diesem Teilprojekt und ein weiteres, das KI-basierte Neurotechnologien für klinische Anwendungen entwickelt. Durch diese enge Integration werden abstrakte ethisch-rechtliche Prinzipien in praxisrelevante Leitlinien für Forschung und Politik übersetzt. Das Projekt setzt auf iterative Co-Design- und Konsultationsprozesse mit Forschenden, Ingenieurinnen und Ingenieuren, Patientinnen und Patienten sowie politischen Entscheidungsträgern, um sicherzustellen, dass ethische Reflexion kontinuierlich in wissenschaftliches Handeln einfließt. Gleichzeitig prüfen Forschende aus den Laboren die praktische Anwendbarkeit ethischer Rahmenbedingungen in der Entwicklung, Validierung und Implementierung neuer Technologien. Ergebnisse sind eine umfassende ethisch-rechtliche Analyse von NeuroAI-Anwendungen, eine Reihe proaktiver Ethikbewertungen in realen Laborumgebungen sowie ein praktisches Toolkit für verantwortungsvolle Innovation.

Universität Augsburg

Förderkennzeichen: 01GP2506D
Gesamte Fördersumme: 236.573 EUR
Förderzeitraum: 2026 - 2029
Projektleitung: Prof. Dr. Ruth Horn
Adresse: Universität Augsburg, Medizinische Fakultät, Lehrstuhl Ethik der Medizin
Universitätsstr. 2
86159 Augsburg

Universität Augsburg

Das Vorhaben verfolgt einen integrierten, methodisch kombinierten Ansatz zur Untersuchung und Gestaltung der ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Implikationen von NeuroAI. Zunächst wird in einer systematischen Analyse der aktuelle Forschungsstand zu KI-gestützten Neurotechnologien und neuromorphen Systemen ausgewertet. Dabei kommen Methoden der normativen Ethikanalyse, der Rechtsauslegung sowie strukturierte Literatur- und Dokumentenanalysen zum Einsatz. Auf dieser Grundlage entwickelt das Team ein Modell zentraler ethischer Spannungsfelder, sowie eine Gap-Analyse bestehender regulatorischer Rahmenbedingungen. Parallel dazu arbeitet das Projekt mit einem "embedded-ethics"-Ansatz: ELSA-Forschende werden direkt in die technischen Forschungsprozesse der Verbundpartner eingebunden. In der zweiten Projektphase erfolgt ein partizipatives Vorgehen zur Governance-Entwicklung. Hierzu werden Stakeholder in ko-kreative Workshops, Fokusgruppen und strukturierte Konsultationen eingebunden. Die gewonnenen theoretischen und empirischen Erkenntnisse dienen als Grundlage für die Erstellung eines harmonisierten Governance-Rahmens sowie eines praxisorientierten ethischen Toolkits. Dieses Teilprojekt (TP3) verfolgt das Ziel mithilfe qualitativer Methoden ein tiefgreifendes Verständnis der ethischen Herausforderungen von NeuroAI in der praktischen Anwendung zu gewinnen. Hierzu werden die gelebten Erfahrungen, Einstellungen und Perspektiven verschiedener Stakeholdergruppen untersucht und kritisch diskutiert. Die Ergebnisse werden mit den Erkenntnissen aus TP1-2 zusammengeführt, vor dem Hintergrund zugrunde liegender Wertrahmen kontextualisiert und zur Bewertung der praktischen Relevanz bestehender ethischer Richtlinien genutzt. Gleichzeitig werden potenzielle Diskrepanzen zwischen Theorie und Praxis aufzeigt. Dieser empirisch fundierter Ansatz dient der Entwicklung theoretischer ethischer Argumente, die die Erfahrungen der Stakeholder direkt widerspiegeln.