Verbund

NAWiStem3D - Neuronale Organoide: Wissenschaftstheoretische, ethische und rechtliche Implikationen alternativer, aus Stammzellen gewonnener 3D-Modelle

Der techn(olog)ische und methodische Fortschritt der modernen Lebenswissenschaften eröffnet neue Lösungswege für aktuelle und künftige Herausforderungen unserer Gesellschaft. Dies wirft ethische, rechtliche und soziale Fragen auf und fordert teils bestehende Wertvorstellungen heraus. Aufgabe innovationsorientierter Forschungspolitik ist es, derartige zukunftsrelevante Fragen frühzeitig zu identifizieren und zu berücksichtigen sowie die Zusammenarbeit von relevanten Interessengruppen zu stärken.

Der Verbund NAWiStem3D widmet sich der ethischen und gesellschaftlichen Bewertung von neuronalen Organoiden – also dreidimensionalen, aus menschlichen Stammzellen erzeugten Modellen des Gehirns, häufig auch Hirnorganoide genannt. Diese haben das Potenzial, die Forschung von Entwicklungsprozessen und Krankheiten wie Alzheimer oder Autismus zu verbessern. Gleichzeitig bringen sie komplexe ethische Fragestellungen mit sich: Welchen moralischen und rechtlichen Status haben neuronale Organoide? Wie soll mit Eigentumsrechten der Datenspender umgegangen werden? Welche Risiken sind wir als Gesellschaft grundsätzlich bereit einzugehen? Ziel des Projektes ist eine angemessene Bewertung des Potenzials und der Risiken der Forschung mit neuronalen Organoiden als Modellsystem neuropsychiatrischer Erkrankungen und der Entwicklung des menschlichen Nervensystems. Mit der Entwicklung von Handlungsempfehlungen soll das Projekt zu einem realistischen und verantwortungsvollen Umgang mit Hirnorganoiden beitragen.

Damit leistet das Vorhaben einen wichtigen Beitrag zu den Zielen der BMFTR-Förderrichtlinie zur Förderung von Forschungsprojekten zu ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekten von Zukunftsthemen in den modernen Lebenswissenschaften sowie zur entwicklungsbiologischen Forschung und ihre mögliche Anwendung am Menschen. Ziel der Maßnahme ist es, relevante Fragen, Chancen und Risiken zu Zukunftsthemen fachübergreifend zu analysieren, Diskussionsprozesse wissenschaftlich zu fundieren sowie ethisch-rechtliche Empfehlungen zu deren Handhabung zu erarbeiten.

Teilprojekte

Universität Bonn

Förderkennzeichen: 01GP2505A
Gesamte Fördersumme: 509.670 EUR
Förderzeitraum: 2026 - 2029
Projektleitung: Dr. Sarah Diner
Adresse: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum, Institute for Medical Humanities
Venusberg-Campus 1
53127 Bonn

Universität Bonn

Neue Verfahren erlauben die Herstellung dreidimensionaler, aus Stammzellen generierter Modelle des Gehirns, sogenannte neuronale Organoide. Diese neuartigen Modelle eröffnen vielversprechende Perspektiven für die biomedizinische Forschung, insbesondere in Hinsicht auf die Erforschung der frühen Entwicklung und von Krankheiten wie der Alzheimer-Demenz oder des Autismus-Spektrums. Gleichzeitig werfen sie komplexe ethische Fragen auf, etwa hinsichtlich ihres moralischen Status, des Umgangs mit personenbezogenen Daten und möglicher Risiken für Spenderinnen und Spender. Eine wesentliche Voraussetzung für die Bewertung ist daher eine reflektierte Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Entwicklungen. Das Forschungsprojekt NAWiStem3D vereint Expertinnen und Experten aus verschiedenen Disziplinen. Es wird untersucht, wie sich unterschiedliche Typen und Herstellungsweisen neuronaler Organoide klassifizieren lassen (Arbeitspaket AP1), wie Nutzen und Risiken dieser Technologie ausgewogen bewertet werden können (AP2) und wie daraus ein verantwortungsvoller Umgang abgeleitet werden kann (AP3). In diesem Teilprojekt werden die Arbeitspakete 1 und 3 bearbeitet. Neben einer fundierten Analyse bestehender wissenschaftlicher und normativer Standards wird auch die Perspektive der Öffentlichkeit einbezogen. Ziel des Projekts ist es, zu einem realistischen und verantwortungsvollen Umgang mit neuronalen Organoiden beizutragen und eine Grundlage für wissenschaftlich wie gesellschaftlich tragfähige Handlungsempfehlungen zu liefern. Die Ergebnisse werden in Fachzeitschriften veröffentlicht, auf Konferenzen präsentiert und über digitale Kanäle sowie öffentliche Veranstaltungen kommuniziert.

Forschungszentrum Jülich

Förderkennzeichen: 01GP2505B
Gesamte Fördersumme: 362.327 EUR
Förderzeitraum: 2026 - 2029
Projektleitung: Prof. Dr. Bert Heinrichs
Adresse: Forschungszentrum Jülich GmbH, Institut für Neurowissenschaften und Medizin, Gehirn und Verhalten (INM-7)
Wilhelm-Johnen-Str.
52428 Jülich

Forschungszentrum Jülich

Das Projekt NAWiStem3D widmet sich der ethischen, epistemischen und gesellschaftlichen Bewertung von neuronalen Organoiden – also dreidimensionalen, aus menschlichen Stammzellen erzeugten Modellen des Gehirns. Diese neuartigen Modelle eröffnen vielversprechende Perspektiven für die biomedizinische Forschung, insbesondere für die Erforschung von Entwicklungsprozessen und Krankheiten wie Alzheimer oder Autismus. Gleichzeitig werfen sie jedoch komplexe ethische Fragen auf, etwa hinsichtlich ihres moralischen Status, des Umgangs mit personenbezogenen Daten und möglicher Risiken für Spenderinnen und Spender. Das interdisziplinäre Konsortium – bestehend aus Expertinnen und Experten der Medizinethik, Philosophie, Neurowissenschaft und Rechtswissenschaft – untersucht, wie sich unterschiedliche Typen und Herstellungsweisen neuronaler Organoide klassifizieren lassen (Arbeitspaket AP1), wie Nutzen und Risiken dieser Technologie ausgewogen bewertet werden können (AP2) und wie daraus ein verantwortungsvoller Umgang in Form eines Code of Conduct abgeleitet werden kann (AP3). In diesem Teilprojekt wird das AP2 bearbeitet. Neben einer fundierten Analyse bestehender wissenschaftlicher und normativer Standards wird auch die Perspektive der Öffentlichkeit einbezogen. Ziel des Projekts ist es, zu einem realistischen und verantwortungsvollen Umgang mit neuronalen Organoiden beizutragen und wissenschaftlich wie gesellschaftlich tragfähige Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Die Ergebnisse werden in Fachzeitschriften veröffentlicht, auf Konferenzen präsentiert und über digitale Kanäle sowie öffentliche Veranstaltungen breit kommuniziert.