Damit Menschen mit Lungenkrebs individuell und bestmöglich medizinisch versorgt werden können, schafft der Digitale FortschrittsHub MiHUB in Ostdeutschland einen überregional vernetzten Datenraum – mit einem Patientenportal im Zentrum.

MiHUB schafft einen regional vernetzten Datenraum, der es verschiedenen Akteuren im Gesundheitswesen ermöglicht, zielgerichtet miteinander zu kommunizieren.
DLR Projektträger/BMFTR
Die Diagnose Krebs wirft das Leben von Betroffenen von heute auf morgen aus der Bahn. In dieser schweren Zeit ist eine zielgerichtete, schnell abgestimmte Therapie entscheidend. Dank der Fortschritte in der personalisierten Krebsmedizin, bei der Therapien präzise an den molekularen und zellulären Merkmalen eines Tumors ausgerichtet werden, können immer mehr Betroffene individualisiert behandelt werden, mit deutlich verbesserten Heilungschancen.
Doch der Weg von der Diagnose bis zur Nachsorge führt Patientinnen und Patienten durch viele Stationen – von der Hausarztpraxis über die regionale Klinik bis hin zu spezialisierten universitären Zentren. Auf diesem komplexen Gesundheitsversorgungspfad – der sogenannte Patientenreise (Patient Journey) – entstehen wertvolle Gesundheitsdaten. Die verschiedenen Stationen des Behandlungspfads hängen hierbei stark voneinander ab.
Datenraum für Ostdeutschland
Die Daten so zu vernetzen, dass sie direkt in die Behandlung einfließen und gleichzeitig der medizinischen Forschung dienen, ist das Hauptziel des Digitalen FortschrittsHubs (DigiHub) MiHUB. Wie Verbundkoordinator Prof. Martin Sedlmayr von der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden betont, hinkt der digitale Datenaustausch im medizinischen Alltag oft noch hinterher: „Eine gute, sektorübergreifende Vernetzung der Daten ist für die Präzisionsonkologie essenziell – doch Informationen reisen aktuell noch immer zu oft nur per E-Mail, Telefon oder PDF-Anhang mit“, sagt er. „Unser Hub erleichtert diese Kommunikation, in dem er Daten strukturierter, kontinuierlicher und umfassender als bisher zur Verfügung stellt.“

Prof. Dr. Martin Sedlmayr ist Direktor des Zentrums für Medizinische Informatik der Hochschulmedizin Dresden. Er koordiniert den FortschrittsHub MiHUB.
TU Dresden
In der ersten Förderphase (2021–2025) startete das DigiHub-Projekt unter dem Namen „MiHUBx“ in Sachsen. In der zweiten Phase bis Ende 2029 wächst die Initiative über Bundesländergrenzen hinweg zu einer überregionalen Lösung heran. Gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) bündelt „MiHUB“ die Kräfte führender Partner aus Sachsen und Brandenburg. Unter Leitung der Technischen Universität Dresden arbeiten die Medizinische Universität Lausitz (Cottbus), die Hochschule Mittweida und das Klinikum Chemnitz eng zusammen.
Fokus auf die „Patient Journey“ bei Lungenkrebs
Während in der ersten Phase zusätzlich noch diabetische Augenerkrankungen und das Pandemie-Management betrachtet wurden, richtet MiHUB in der neuen Förderperiode den Fokus ganz auf die Präzisionsonkologie – konkret: auf die Versorgung bei Lungenkrebs. Das Projekt will dabei den Ansatz der „Patient Journey“ umsetzen. Das Ziel ist eine durchgängige, digitale Begleitung entlang von drei Phasen:
Innovatives Patientenportal im Zentrum
Im Zentrum des in MiHUB geformten digitalen Datenraums steht das innovative Patientenportal. Es wurde in der ersten Phase entwickelt und wird nun entscheidend erweitert. Patientinnen und Patienten werden dadurch zu aktiven Partnern in Fragen ihrer eigenen Gesundheit.
Über das Portal und mobile Apps können sie Berichte einsehen, Behandlungsverläufe mitgestalten und standardisierte Rückmeldungen zu ihrem Wohlbefinden (Patient-Related Outcomes) an ihre Behandelnden senden. So können Verschlechterungen im Genesungsprozess frühzeitig erkannt und Therapien rechtzeitig angepasst werden. Die digitale Vernetzung schließt Informationslücken und schafft Vertrauen.
„MiHUB ist ein digitales Ökosystem, das die personalisierte Onkologie transparenter und konsequent patientenorientiert macht“, so Sedlmayr. Die Plattform stellt die „Patientenreise“ in den Mittelpunkt und zeigt, wie Forschung und Gesundheitsversorgung fachlich, technologisch und wissenschaftlich nahtlos ineinandergreifen.
Beitrag zum bundesweiten, übergreifenden Anwendungsfall der DigiHubs
Neben der direkten Verbesserung des Behandlungsalltags stärkt MiHUB die medizinische Forschung nachhaltig. In den Datenintegrationszentren (DIZ) der beteiligten Kliniken in Dresden, Cottbus und Chemnitz werden die im Alltag der Gesundheitsversorgung anfallenden Patientendaten standardisiert, anonymisiert und forschungskompatibel aufbereitet. So entsteht ein wertvoller, datenschutzkonformer Datenpool, der Forschenden nicht nur hilft, Krebserkrankungen besser zu verstehen und künftige Therapieverfahren zu optimieren. „Wichtig in MiHUB ist uns der ganzheitliche Blick auf den Patientenpfad, wobei uns die Phasen vor und nach einer Behandlung für die Forschung besonders interessieren“, sagt Sedlmayr.
Die Aktivitäten und Erkenntnisse von MiHUB tragen zudem maßgeblich zu dem DigiHub-übergreifenden Use Case „Patient Journey“ bei. Hier werden die Konzepte und Lösungen der bundesweit insgesamt sieben DigiHubs gebündelt. Das Ziel: Die Gesundheitsversorgung von Patientinnen und Patienten entlang der Stationen im Behandlungsverlauf optimieren – durch digitale Einbindung regionaler Praxisnetzwerke und Krankenhäuser sowie einen möglichst lückenlosen Datenfluss.
Koordination
Beteiligtes Konsortium der Medizininformatik-Initiative
MIRACUM
Partner
Technische Universität Dresden:
Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem
Hochschule Mittweida
Klinikum Chemnitz
Darüber hinaus wird MiHUB regionale Kliniken einbinden und mit weiteren, hier nicht aufgeführten niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten zusammenarbeiten.
MiHUB ist einer von sieben Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit. Für diese Initiative stellt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) bis 2029 rund 100 Millionen Euro bereit. Aufgabe der FortschrittsHubs ist es, die Pionierarbeiten der Medizininformatik-Initiative zur Digitalisierung in der Medizin aus den Unikliniken – zunächst in Pilotprojekten – in alle Bereiche des Gesundheitssystems einfließen zu lassen: von der ambulanten Versorgung in der Hausarztpraxis über den stationären Aufenthalt im örtlichen Krankenhaus bis zur Versorgung in Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen.