DECIDE: Qualität der Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen verbessern

Telemedizin, Künstliche Intelligenz, mobile Sensoren – DECIDE nutzt vielfältige Werkzeuge, um psychische Erkrankungen und Krebs auch in strukturschwachen Regionen auf höchstem Niveau zu behandeln und die gewonnenen Daten für die Forschung zu nutzen.

Patient und Ärztin im Gespräch in einem Laborraum

Innovative IT-Lösungen sollen – in Übereinstimmung mit dem Datenschutz – Patientendaten aus der regionalen Gesundheitsversorgung künftig auch nutzen, um die klinische Forschung zu verbessern.

DLR Projektträger/BMBF

Menschen, die in der Nähe medizinischer Zentren leben, können innovative Angebote der modernen Medizin wohnortnah nutzen. Auf dem Land ist das nicht so einfach. Dieses Gefälle in der Qualität der Gesundheitsversorgung mit modernen IT-Lösungen auszugleichen, ist das zentrale Ziel des Digitalen FortschrittsHubs DECIDE (Decentralized digital Environment for Consultation, data Integration, Decision making and patient Empowerment). Gemeinsam mit regionalen Krankenhäusern, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie Patientinnen und Patienten entwickelt und erprobt die Universitätsmedizin Mainz modellhafte Lösungen, um die Gesundheitsversorgung der Menschen in den ländlichen Regionen von Rheinland-Pfalz unabhängig von ihrem Wohnort bestmöglich zu stärken. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unterstützt das Vorhaben inzwischen in einer zweiten, bis 2029 laufenden Förderphase.

Regionale Zusammenarbeit stärken

Im Fokus von DECIDE stehen komplexe und chronische Erkrankungen, die viele Menschen betreffen: Depressionen und Krebs. Damit die Gesundheitsversorgung der Betroffenen auch auf dem Land von den spezialisierten diagnostischen und therapeutischen Angeboten der Hochschulmedizin profitieren kann, will die Universitätsmedizin Mainz mit ihrer Expertise regionale Gesundheitseinrichtungen und deren Patientinnen und Patienten unterstützen.

Dr. Torsten Panholzer

Dr. Torsten Panholzer ist Koordinator von DECIDE und Leiter der Abteilung Medizinische Informatik an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Universitätsmedizin Mainz

„Die Verfügbarkeit von Daten und die „Die Verfügbarkeit von Daten und die Kommunikation zwischen allen Akteuren ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Dr. Torsten Panholzer, Koordinator von DECIDE und Leiter der Abteilung Medizinische Informatik an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. „Dafür haben wir eine technische Plattform geschaffen, die den Datenaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Arztpraxen und regionalen Krankenhäusern einerseits und einer Universitätsklinik andererseits ermöglicht.“ Diese Plattform umfasst vielfältige IT-Lösungen – von der Telemedizin über Smartphone-Apps bis hin zur Künstlichen Intelligenz (KI). Sie ermöglicht es, die Grenze zwischen regionaler Gesundheitsversorgung und Universitätsklinik zu überwinden und Behandelnde zu vernetzen. 

Medizinischen Fortschritt beschleunigen

Die Daten aus der regionalen Gesundheitsversorgung können der Forschung in der Breite helfen, Volkskrankheiten noch präziser zu verstehen und individuelle Ansatzpunkte für Diagnosen und Therapien aufzuspüren. „Bei DECIDE arbeiten wir dafür an einer datenschutzkonformen Datenbereitstellung. Die IT-Lösungen sollen die klinische Forschung effizienter machen, damit der medizinische Fortschritt sicher und schnell bei den Menschen ankommt“, so Panholzer.

In der ersten Förderphase war es Aufgabe von DECIDE, Angebote in den Use Cases Onkologie, Psychische Erkrankungen und Sportmedizin zu entwickeln und modellhaft zu zeigen, wie sie die Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen verbessern können. Für die Onkologie wurde ein klinisches System entwickelt, das ärztliche Entscheidungen mittels KI unterstützen kann. Im Rahmen des sportmedizinischen Use Cases wurden für Patientinnen und Patienten mit Krebs und Depressionen bewegungstherapeutische Angebote entwickelt, die per Smartphone übermittelt werden und in der häuslichen Umgebung umgesetzt werden können. Über Sensoren am Handgelenk (Wearables) und Rückmeldungen über die mobile App können Therapeutinnen und Therapeuten das Training überwachen und gegebenenfalls den Trainingsplan anpassen. Auch werden über die App individuelle Informationen bereitgestellt, und es kann von den Patienten eine Rückmeldung über den Gesundheitszustand eingeholt werden. Damit wird ihre Partizipation an der Behandlung insgesamt erhöht. In der zweiten Förderphase fokussieren sich die Arbeiten von DECIDE auf den Bereich psychische Gesundheit und die Weiterentwicklung der technischen Lösungen aus der ersten Förderphase.

  • Psychiatrie: Depressionen
    Depressionen sind eine in vielen Fällen wiederkehrende oder chronisch verlaufende Volkskrankheit, die häufig zusammen mit anderen psychischen und somatischen Krankheitsbildern auftritt. In der Therapie erfordert dies eine enge Abstimmung zwischen stationärer und ambulanter Gesundheitsversorgung. Dafür wird die Smartphone-App weiterentwickelt, um Therapieverläufe verfolgen und besser auf jede einzelne Person zuschneiden zu können. Die Behandlungsdaten werden – stets nach Zustimmung der Patientinnen und Patienten – an das Datenintegrationszentrum der Universitätsmedizin Mainz übertragen. Dort werden sie anonymisiert und können von der Gesundheitsforschung genutzt werden, um die Therapien gegen Depressionen weiter zu optimieren.

    Das Entscheidungsunterstützungssystem und die entwickelte Smartphone-App werden an die Anforderungen von Psychiaterinnen und Psychiatern und Patientinnen und Patienten mit schweren Depressionen weiter angepasst und den Behandelnden sektorenübergreifend zugänglich gemacht.
  • Patientenpfad („Patient Journey“)
    Zusammen mit den anderen Digitalen FortschrittsHubs wird das bereits entwickelte Wearable-Konzept auf weitere Anwendungen übertragen, um den Technologiereifegrad des digitalen Sporttherapiekonzeptes zu erhöhen. Durch die Identifikation von PROMs (Patient-Reported Outcome Measures), PREMs (Patient-Reported Experience Measures), Motivationsstrategien und Patientenbeteiligung soll die App nicht nur für die sporttherapeutische Betreuung von Patientinnen und Patienten konfiguriert werden. Die weiterentwickelte App kann anschließend im Hub-übergreifenden Use Case zur „Patient Journey“ eingesetzt werden – im Patientenpfad von der kontinuierlichen Therapieunterstützung bis zur Rehabilitation und Nachsorge.

Partner im Digitalen FortschrittsHub DECIDE

Koordination

  • Universitätsmedizin Mainz, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI)

Partner

  • Universitätsmedizin Mainz
    Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
    Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen Mainz (UCT Mainz)
  • Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    Institut für Sportwissenschaft
  • Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM), Kaiserslautern
  • IDG Institut für digitale Gesundheitsdaten Rheinland-Pfalz (RLP) gGmbH
  • Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universitätsmedizin Halle (Saale)

Darüber hinaus arbeitet DECIDE mit weiteren hier nicht aufgeführten Kliniken und niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten zusammen.

DECIDE ist einer von sieben Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit. Für diese Initiative stellt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) bis 2029 rund 100 Millionen Euro bereit. Aufgabe der FortschrittsHubs ist es, die Pionierarbeiten der Medizininformatik-Initiative zur Digitalisierung in der Medizin aus den Unikliniken – zunächst in Pilotprojekten – in alle Bereiche des Gesundheitssystems einfließen zu lassen: von der ambulanten Versorgung in der Hausarztpraxis über den stationären Aufenthalt im örtlichen Krankenhaus bis zur Versorgung in Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen.

Medizininformatik-Initiative

Digitale FortschrittsHubs Gesundheit