LeMeDaRT: Mit digitalem Begleiter fit für die Operation

Eine lückenlose medizinische Versorgung von der ersten Diagnose über die Klinik bis zur Reha: Der Digitale FortschrittsHub LeMeDaRT zeigt, wie digitale Helfer – darunter eine App – Patientinnen und Patienten sicher durch ihren Behandlungspfad begleiten.

Ein Mann und eine Ärztin sprechen über einen Videoanruf miteinander.

Ziel des Digitalen FortschrittsHUBs LeMeDaRT ist es, die ambulante und stationäre Versorgung enger miteinander zu verzahnen. Eine App hilft dabei, Patientinnen und Patienten auf eine OP vorzubereiten.

Kaspars Grinvalds | AdobeStock

Wenn eine schwere Operation ansteht, gleicht der medizinische Weg oft einer Reise durch verschiedene Welten: von der vertrauten Hausarztpraxis über die hochspezialisierte Universitätsklinik bis hin zur anschließenden Rehabilitation. Dass auf diesem Weg alle wichtigen Informationen genutzt werden, um die Gesundheitsversorgung zu optimieren, ist das Ziel des Digitalen FortschrittsHubs (DigiHubs) LeMeDaRT (Lean medical data: the right data at the right time).

Im Januar 2026 ist der vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Hub in seine zweite Förderphase (bis 2029) gestartet. Unter der neuen Gesamtprojektleitung von Prof. Dr. Falko Sniehotta von der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg widmet sich das Konsortium der Aufgabe, den gesamten Behandlungspfad erstmals über alle Sektoren hinweg digital abzubilden.

Auf dem Land und in der Metropolregion Rhein-Neckar aktiv

Prof. Dr. Falko Sniehotta

Prof. Dr. Falko Sniehotta ist Professor für Public Health, Sozial- und Präventivmedizin an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und ist Koordinator von LeMeDaRT.

UMM /FGV Zentrum

In der ersten Förderphase ab 2021 erprobte der DigiHub verschiedene digitale Anwendungen im Schwarzwald und in der Metropolregion Rhein-Neckar in der Praxis. Dazu gehörten unter anderem eine digitale Überwachung von Infektionen in Hausarztpraxen während der Pandemie sowie eine KI-gestützte Entscheidungshilfe zur Früherkennung von Fettlebererkrankungen.

Diese Use Cases haben wertvolle Pionierarbeit geleistet und gezeigt, wie digitale Datenflüsse aufgebaut werden können. In der zweiten Förderphase von LeMeDaRT verlagert sich der Fokus ganz auf den „InMeD“-Ansatz (Intelligent Medical Data) und ist auf die nahtlose Begleitung von Hochrisikopatienten entlang ihres gesamten Behandlungspfads („Patient Journey“) ausgerichtet. Regional verschiebt sich der Fokus vom Schwarzwald zum regionalen Reach-Out-Partner an die RoMed Klinik Prien.

Die Prähabilitations-App: Fit werden für OP und Reha

Wer eine schwere und komplexe Operation vor sich hat – etwa bei einer Krebserkrankung –, sollte die Operation in einem bestmöglichen Zustand angehen. Das verbessert die Heilungschancen und vermindert die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen. Da komplexe Operationen in der Regel mit zeitlichem Vorlauf geplant werden, besteht vor der OP die Chance einer gezielten körperlichen und psychischen Stärkung der Betroffenen (Prähabilitation) – sowie nach der OP einer individualisierten Begleitung und Nachsorge.

LeMeDaRT hat in der ersten Förderphase ein digitales Programm für die Prähabilitation entwickelt, das körperliches Training, Ernährung und psychosoziale Unterstützung erfolgreich kombiniert. Zur Bereitstellung personalisierter Unterstützung wurde eine Smartphone-App entwickelt, die Fitness-Tracker und KI-Modelle zur Risikobewertung integriert.

In der zweiten Förderphase wird dieses Konzept entscheidend erweitert. Neben einer zusätzlichen kognitiven Trainingseinheit zur geistigen Stärkung wird das digitale Programm nun nahtlos auf die Rehabilitationsphase nach der Operation ausgedehnt. Über eine neue digitale Plattform, das DataCastle, werden die Daten entlang des Behandlungsverlauf integriert und analysiert. So werden Betroffene nicht nur vor dem Eingriff, sondern auch auf dem Weg zurück in den Alltag engmaschig und personalisiert begleitet.

Der Anwendungsfall hat das Potenzial, die ambulante und stationäre Versorgung enger miteinander zu verzahnen. Durch die enge Zusammenarbeit mit Gesundheitsdienstleistern im ländlichen und städtischen Raum sollen zudem innovative Gesundheitsversorgungsmodelle auch in unterversorgten Gebieten etabliert werden. 

Wichtiger Beitrag zum gemeinsamen Anwendungsfall der DigiHubs

In der zweiten Förderphase werden sich die insgesamt sieben regionalen DigiHubs bundesweit stärker vernetzen und zusammenarbeiten. Daher wurde ein Hub-übergreifender Anwendungsfall entwickelt, der die Konzepte und Lösungen der DigiHubs in einem gemeinsamen Use Case „Patient Journey“ bündelt.

Um eine kontinuierliche Therapieunterstützung zu erreichen, müssen alle Phasen des Patientenpfads (Diagnostik, Prähabilitation, Behandlung, Therapieunterstützung, Nachsorge, Rehabilitation) berücksichtigt werden.LeMeDaRT lässt in diesem Anwendungsfall die Erfahrungen aus der Prähabilitation einfließen, um die Verfügbarkeit interoperabler Daten für die postoperative Rehabilitation sicherzustellen.

Zudem stellt der DigiHub die Prähabilitations-App für Patientengruppen mit kardiovaskulären und orthopädischen Erkrankungen zur Verfügung. Auch der MIDIA-Hub hat die Prähabilitations-App in seinen Anwendungsfall bei der Versorgung von Patientinnen mit gynäkologischen Tumoren eingebunden.

Partner im Digitalen FortschrittsHub LeMeDaRT

Koordination

  • Abteilung für Public Health, Sozial- und Präventivmedizin

  • Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD)

  • Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Mannheim

Partner
  • Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg:
    Institut für Intelligente Systeme in der Medizin (MIISM)
    Abteilung für Komplexe Datenverarbeitung in der Medizininformatik (CMI)
    Abteilung für Biomedizinische Informatik (DBMI)
    Chirurgische Klinik

  • Universitätsmedizin Mannheim:
    Klinik für Anästhesiologie, operative Intensiv- und Schmerzmedizin

  • Universität Heidelberg:
    Institut für Wissenschaftliches Rechnen (IWR)
    Diakoniewissenschaftliches Institut (Theologische Fakultät)
  • RoMed Klinik Prien am Chiemsee
  • Forschungspraxennetz Baden-Württemberg (FoPraNet-BW)
  • Universität Barcelona und Firma Health Circuit, Barcelona
  • Safe Brain Initiative
  • Yeswecan!cer gGmbH (patientenvertretende, gemeinnützige Organisation)

LeMeDaRT ist einer von sieben Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit. Für diese Initiative stellt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) bis 2029 rund 100 Millionen Euro bereit. Aufgabe der FortschrittsHubs ist es, die Pionierarbeiten der Medizininformatik-Initiative zur Digitalisierung in der Medizin aus den Unikliniken – zunächst in Pilotprojekten – in alle Bereiche des Gesundheitssystems einfließen zu lassen: von der ambulanten Versorgung in der Hausarztpraxis über den stationären Aufenthalt im örtlichen Krankenhaus bis zur Versorgung in Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen.

Medizininformatik-Initiative

Digitale FortschrittsHubs Gesundheit