Fördermaßnahme

JPND - Health and Social Care Late Stages

Veröffentlichung der Bekanntmachung: 2025
Förderzeitraum: 2026 - 2029
Gesamte Fördersumme: bis zu 2,8 Mio. Euro
Anzahl der Projekte: 9

Das BMFTR ist Partner im EU-Programm zur Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen (EU Joint Programme - Neurodegenerative Disease Research (JPND)). Hier arbeiten EU-Mitglieds- und assoziierte Staaten sowie Kanada und Australien zusammen.

Das Ziel von JPND ist die europaweite Bündelung und Stärkung der Forschung im Bereich altersbedingter, neurodegenerativer Erkrankungen. Diese stellen gegenwärtig eine der größten medizinischen, sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen aller Industrienationen weltweit dar.
JPND ist Teil der „Joint Programming Initiativen“ (JPI). Das sind von den EU-Mitgliedsstaaten ins Leben gerufene und getragene Maßnahmen. Sie sind thematisch auf die globalen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte fokussiert.

Neurodegenerative Erkrankungen sind Erkrankungen des Gehirns und des Nervensystems, die stark mit dem Lebensalter zusammenhängen. Die Alzheimer Demenz und mit ihr verwandte Störungen sind die am häufigsten auftretenden neurodegenerativen Erkrankungen. In Europa sind zwischen 6,3 und 7,3 Millionen Menschen hiervon betroffen. Es wird erwartet, dass sich diese Zahl aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung alle 20 Jahre verdoppelt.

Trotz umfangreicher Forschungsanstrengungen stehen heute nur sehr wenige kausale Behandlungen zur Verfügung, so dass neurodegenerative Erkrankungen erhebliche persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen haben.

Es besteht der dringende Bedarf, die individuellen Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten besser zu verstehen und die Lebensqualität der Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen zu verbessern. Während medizinische und soziale Unterstützung meist auf frühe Krankheitsstadien fokussiert ist, ist die Versorgung in mittleren und fortgeschrittenen Phasen unzureichend. Während dieser Stadien sind die Betroffenen zunehmend weniger in der Lage, die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Dies hat negative Folgen auf die Unabhängigkeit, soziale Teilhabe und Würde dieser Menschen, was die körperlichen oder psychischen Symptome weiter verschlimmern kann. Ein besseres Verständnis der Faktoren, die die Lebensqualität beeinflussen, ist notwendig, um Gesundheits- und Sozialsysteme gezielt zu stärken. Da die Verfügbarkeit und der Zugang zu Unterstützungsmaßnahmen in Europa und anderen Ländern sehr unterschiedlich sind, könnten evidenzbasierte Lösungen dazu beitragen, Einschränkungen zu überwinden und eine bessere Koordination zwischen den Gesundheits- und Sozialfürsorgesystemen zu fördern. Die Identifizierung der Probleme und Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten, Pflegenden und Angehörigen erfordert daher eine eingehende Analyse der Stärken und Schwächen der bestehenden Dienstleistungen und der sozialen Faktoren, die zum kognitiven Abbau oder zur Stabilisierung beitragen. Anhand solch eingehender Untersuchungen können neue Konzepte und Ideen entwickelt werden, um zur Verbesserung der Gesundheits- und Sozialfürsorge beizutragen.

Die Förderrichtlinie wird zeitgleich durch die Förderorganisationen der folgenden Länder herausgegeben:

  • Fund for Scientific Research (F.R.S.-FNRS), Belgien;
  • Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Deutschland;
  • French National Research Agency (ANR), Frankreich;
  • Health Research Board (HRB), Irland;
  • Italian Ministry of Health (MoH), Italien;
  • Brain Canada Foundation (BCF), Kanada;
  • Canadian Institutes of Health Research (CIHR), Kanada;
  • National Research Fund (FNR), Luxemburg;
  • Netherlands Organisation for Health Research and Dev. (ZonMw), die Niederlande;
  • Research Council of Norway (RCN), Norwegen;
  • National Science Centre (NCN), Polen;
  • Ministry of Education, Science, Research and Sport of the Slovak Republic (MESR), Slowakei;
  • Swedish Research Council for Health, Working life and Welfare (FORTE), Schweden;
  • Swiss National Science Foundation (SNSF), Schweiz;
  • Scientific and Technological Research Council of Türkiye (TUBITAK), Türkei;
  • Ministry of Education, Youth and Sports (MEYS), Tschechien;
  • National Research, Development and Innovation Office (NKFIH), Ungarn.

1. Ziele der Fördermaßnahme

Das Ziel dieser Förderrichtlinie ist es, unter Einbezug sozial- und humanwissenschaftlicher Forschung die Faktoren, die die Lebensqualität bei neurodegenerativen Erkrankungen beeinflussen, besser zu verstehen. Dazu zählen etwa die soziale Eingliederung, die gesellschaftliche Teilhabe, die Würde und die allgemeine Lebensqualität von Patientinnen und Patienten und ihren Familien. Es sollen angemessene Konzepte für eine bessere Unterstützung von Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen im mittleren und fortgeschrittenen Stadium sowie am Ende des Lebens entwickelt werden.

Gefördert werden ausschließlich Vorhaben zu neurodegenerativen Erkrankungen, z.B. der Alzheimererkrankung und anderen Demenzen, Parkinsonerkrankung und mit Parkinson verwandte Erkrankungen, Prionenerkrankungen, Huntington-Krankheit, Motoneuronerkrankungen, Spinozerebelläre Ataxie (SCA) oder Spinale Muskelatrophie (SMA).

2. Stand der Fördermaßnahme

Die „Richtlinie zur Förderung von Projekten zum Thema Gesundheits- und Sozialversorgung mit Fokus auf die mittleren und späten Stadien neurodegenerativer Erkrankungen“ im Rahmen des European Joint Programme - Neurodegenerative Disease Research (JPND)“ wurde im Januar 2025 von den teilnehmenden JPND-Partnerländern veröffentlicht. Auf die Bekanntmachung gingen insgesamt 60 Projektskizzen ein. Hiervon wurden, nach einer wissenschaftlichen Bewertung, 29 Projektskizzen für einen Vollantrag ausgewählt. Die Begutachtung der Vollanträge erfolgte durch ein internationales Expertinnen- und Expertengremium. Im September 2025 wurden daraufhin 7 multinationale Konsortien zur Förderung ausgewählt, darunter 9 deutsche Zuwendungsempfänger mit insgesamt rund 2,8 Mio. Euro. 

Einzelprojekte

Psychosoziale Interventions- und Unterstützungsangebote - Zusammenhang psychosozialer und gesundheitsökonomischer Outcomes zur Modellentwicklung

Förderkennzeichen: 01ED2604
Gesamte Fördersumme: 335.451 EUR
Förderzeitraum: 2026 - 2029
Projektleitung: PD Dr. Dr. Bernhard Michalowsky
Adresse: Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE) in der Helmholtz-Gemeinschaft, Standort Greifswald
Ellernholzstr. 1-2
17489 Greifswald

Psychosoziale Interventions- und Unterstützungsangebote - Zusammenhang psychosozialer und gesundheitsökonomischer Outcomes zur Modellentwicklung

Menschen mit Demenz und ihre pflegenden Angehörigen weisen erhebliche ungedeckte Versorgungsbedarfe auf, die durch bestehende Angebote nicht ausreichend adressiert werden. Zwar liegen für eine Reihe psychosozialer Unterstützungsinterventionen belastbare Wirksamkeitsnachweise vor, jedoch werden diese Interventionen bislang nur eingeschränkt und selten nachhaltig finanziert oder flächendeckend in die Regelversorgung implementiert. Ein zentraler Grund hierfür ist das Fehlen robuster gesundheitsökonomischer Evidenz, insbesondere zur Kosten-Effektivität und zum langfristigen Nutzen psychosozialer Interventionen im Versorgungsalltag. Vor diesem Hintergrund verfolgt das europäische Verbundprojekt DEM-CAPS das übergeordnete Ziel, einen gesundheitsökonomischen Modellierungsrahmen zu entwickeln und zu validieren, der den Wert psychosozialer Unterstützungsinterventionen für zu Hause lebende Menschen mit mittelgradiger bis fortgeschrittener Demenz sowie ihre pflegenden Angehörigen abbildet. Der Fokus liegt dabei auf patienten- und angehörigen-relevanten Outcomes sowie auf gesundheitsökonomischen Endpunkten, wie der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, den Kosten und den Versorgungsübergängen. Die Entwicklung des Modells erfolgt in enger Abstimmung mit Entscheidungsträgern des Gesundheitswesens und Patientenorganisationen, um eine hohe Praxisrelevanz und Anschlussfähigkeit an Erstattungs- und Bewertungsprozesse sicherzustellen. Das deutsche Teilprojekt leistet hierzu einen zentralen Beitrag, indem es den Zusammenhang zwischen psychosozialen und gesundheitsökonomischen Outcomes systematisch untersucht. Hierzu werden vorhandene Daten aus Studien zusammengeführt, harmonisiert und geneinsam ausgewertet. Ziel ist es, psychosoziale Outcomes als potenzielle Surrogatmarker für gesundheitsökonomische Endpunkte zu validieren und diese Evidenz für Entscheidungsprozesse zur Implementierung psychosozialer Interventionen im Gesundheitswesen nutzbar zu machen.

Förderung einer bedarfsgerechten sozialen Gesundheitsversorgung und inklusiven Pflege für seltenere Demenzerkrankungen im mittleren bis fortgeschrittenen Stadium

Förderkennzeichen: 01ED2602
Gesamte Fördersumme: 358.234 EUR
Förderzeitraum: 2026 - 2029
Projektleitung: Prof. Dr. Martina Roes
Adresse: Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE) in der Helmholtz-Gemeinschaft, Standort Witten
Stockumer Str. 12
58453 Witten

Förderung einer bedarfsgerechten sozialen Gesundheitsversorgung und inklusiven Pflege für seltenere Demenzerkrankungen im mittleren bis fortgeschrittenen Stadium

Demenz ist ein Syndrom mit vielfältigen Ursachen, doch Forschung und klinische Praxis konzentrieren sich nach wie vor weitgehend auf die Alzheimer-Krankheit (AD), die häufigste Form. Seltenere Demenzerkrankungen wie beispielsweise frontotemporale Demenz (FTD), finden in der Forschung, der klinischen Praxis und der öffentlichen Diskussion deutlich weniger Beachtung (Barker et al., 2002; Jones et al. 2014). Dies korrespondiert mit einem eingeschränkten Bewusstsein, nicht identifizierter Bedarfe und unzureichender Unterstützung sowie einem Mangel an maßgeschneiderten Interventionen für diese Personengruppe. Durch sechs miteinander verbundene Arbeitspakete integriert dieses Projekt partizipative Forschung, digitales Monitoring, Lernelemente und eine intersektionale Perspektive um sowohl Aspekte sozialer Gesundheit (Droes et al., 2017), sozialer und struktureller Benachteiligungen als auch Übergänge im Versorgungssystem für Menschen mit FTD (in unterschiedlichen Stadien der Erkrankung) zu verbessern. Das Arbeitspaket 3 dient vor allem dem förderpolitischen Ziel der Identifizierung von Versorgungslücken, die Menschen mit einer FTD in verschiedenen Gesundheitssystemen (teilnehmende Länder am Vorhaben) erleben und der Entwicklung von Ideen und Konzepten zur Bearbeitung erlebter Benachteiligungen.