Verbund

EpiPAIS - Epigenetische Muster in der Pathogenese von Long-COVID

Bereits früh im Verlauf der COVID-19-Pandemie wurde ein vermehrtes Auftreten von länger anhaltenden Beschwerden nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 beobachtet. Bei Long COVID treten bestehende, wiederkehrende oder neue Symptome auch nach über vier Wochen und länger nach der Infektion auf. Long COVID betrifft nach aktuellen Studien einen relevanten Anteil der Infizierten, wobei Häufigkeitsschätzungen je nach Bevölkerungsgruppe, Untersuchungsmethode und Definition variieren. Es wird vermutet, dass erbliche, immunologische und den Lebensstil betreffende Faktoren bei der Entstehung von Long COVID eine Rolle spielen. Es gibt jedoch insgesamt wenig Wissen über die biologischen und verhaltensbezogenen Ursachen von Long COVID und das Zusammenspiel mit anderen Krankheiten und deren Frühformen.

Im Verbundprojekt EpiPAIS soll die Häufigkeit von Long COVID-Symptomen und – allgemeiner – vom postakuten Infektionssyndrom (PAIS) in der Allgemeinbevölkerung abgeschätzt werden. PAIS kann sowohl durch SARS-CoV-2 als auch durch andere virale Erreger ausgelöst werden. Weiterhin sollen Risikofaktoren und Risikomuster identifiziert werden, die das Entstehen von Long COVID und PAIS nach einer Infektion erhöhen. Zudem soll untersucht werden, inwiefern es bei Menschen mit Long COVID oder PAIS epigenetische Veränderungen an der DNA gibt, also Veränderungen der Funktion einzelner Gene, die nicht auf einer Veränderung des Erbguts bestehen. Zudem soll untersucht werden, ob diese Veränderungen mit den Risikofaktoren der Erkrankungssymptome in Zusammenhang stehen.

Das Verbundvorhaben knüpft an die NAKO Gesundheitsstudie (NAKO) an und nutzt deren Daten und Bioproben. Die NAKO ist Deutschlands größte Langzeit-Bevölkerungsstudie, bei der über 205.000 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger in 18 Regionen Deutschlands wiederholt umfassend medizinisch untersucht und nach ihren Lebensgewohnheiten befragt werden. Zudem werden von den Teilnehmenden Blut- und andere Proben für Laboranalysen gesammelt. Durch diese Anknüpfung an die NAKO kann die Häufigkeit von Long COVID und PAIS in der Bevölkerung abgeschätzt werden. Dafür werden NAKO-Teilnehmende aus neun Studienregionen ein drittes Mal zu einer Sonderbefragung zu SARS-CoV-2- und weiteren Virusinfektionen eingeladen. Die Informationen dieser Befragung werden anschließend mit vielen weiteren Daten des NAKO-Datensatzes zusammengeführt und bezüglich etwaiger Risikofaktoren und Risikomuster für Long COVID und PAIS KI-gestützt ausgewertet. Weiterhin werden 9.000 NAKO-Proben bezüglich epigenetischer Veränderungen an der DNA untersucht, qualitätsgesichert und umfassend ausgewertet.

Das Verbundvorhaben schafft neben der Häufigkeitsermittlung eine Grundlage zur Erforschung der kurz- und langfristigen gesundheitlichen Folgen von SARS-CoV-2-Infektionen sowie anderer viraler Erreger im Rahmen von PAIS. Auf dieser Basis können zukünftig zielgerichtete präventive Konzepte entwickelt und angewendet werden. Im Verbundvorhaben generierte Daten werden darüber hinaus den bestehenden Forschungsdatensatz der NAKO um hochrelevante Informationen ergänzen. Die kombinierten Daten können so zukünftig von einer Vielzahl an Forschenden für wissenschaftliche Fragestellungen im Kontext von Long COVID und PAIS genutzt werden.

Teilprojekte

Schwerpunkt Fall-Kontroll-Studie, epigenetische Messungen und Methylierungsdaten

Förderkennzeichen: 01KX2527A
Gesamte Fördersumme: 1.591.917 EUR
Förderzeitraum: 2025 - 2026
Projektleitung: Prof. Dr. Annette Peters
Adresse: Helmholtz Zentrum München, Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH)
Ingolstädter Landstr. 1
85764 Oberschleißheim

Schwerpunkt Fall-Kontroll-Studie, epigenetische Messungen und Methylierungsdaten

Die NAKO Gesundheitsstudie erlaubt es, die Häufigkeit von Long-COVID zu erfassen und auf das allgemeinere Konzept des postakuten Infektionssyndrom (PAIS) auszuweiten, das sowohl durch SARS-CoV-2 als auch durch andere virale Erreger ausgelöst werden kann. Anders als Studien, die erst zum Zeitpunkt der Infektion Studienteilnehmende einschließen können, erlaubt die NAKO Gesundheitsstudie durch ihren longitudinalen Charakter kausale Faktoren zu identifizieren, die vor der für PAIS ursächlichen Infektion messbar sind und damit einen Ansatzpunkt für personalisierte präventive Konzepte bieten. Ziel von EpiPAIS ist es, Faktoren zu identifizieren, die das Risiko eines PAIS nach Infektion erhöhen, und epigenetische Muster zu identifizieren, die dafür genutzt werden können, zu evaluieren, inwiefern diese Faktoren mit epigenetischen Veränderungen im Zusammenhang stehen. Insbesondere: 1) Die Bestimmung der Häufigkeit von Long-COVID und PAIS in der bevölkerungsbezogenen NAKO Gesundheitsstudie mittels einer Online-Befragung Anfang 2026. 2) Die Analyse der Risikoprofile der Personen mit Long-COVID und PAIS basierend auf den Fragebogenangaben und den Längsschnitt-Daten der NAKO Gesundheitsstudie von der Basisuntersuchung bis zum 10-Jahres-Follow-up. 3) Die Durchführung einer Fall-Kontroll-Studie zur Charakterisierung der epigenetischen Veränderungen in Blut-Immunzellen bei Long-COVID und PAIS-Fällen im Vergleich zu gematchten Kontrollen definiert durch Fragebogen-Angaben und aufbauend auf dem EU-Projekt Orchestra [Hong, P., et al., Differential DNA methylation 7 months after SARS-CoV-2 infection. Clin Epigenetics, 2025. 17(1): p. 60.].

Schwerpunkt Risikoprofile und Muster bei Long-COVID und PAIS

Förderkennzeichen: 01KX2527B
Gesamte Fördersumme: 101.527 EUR
Förderzeitraum: 2025 - 2026
Projektleitung: Prof. Dr. André Karch
Adresse: Universität Münster, Medizinische Fakultät, Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin
Domagkstr. 3
48149 Münster

Schwerpunkt Risikoprofile und Muster bei Long-COVID und PAIS

Im Verbundprojekt sollen Informationen zur Häufigkeit von Long,COVID und dem allgemeineren postakuten Infektionssyndrom (PAIS) generiert und Faktoren identifiziert werden, die das Risiko von Long-COVID und PAIS nach viralen Infektionen erhöhen. Zudem soll evaluiert werden, inwiefern sich diese Faktoren in epigenetischen Mustern abbilden. Dafür soll die Häufigkeit von Long-COVID und PAIS in der bevölkerungsbezogenen NAKO Gesundheitsstudie mittels einer Online-Befragung bestimmt werden. Weiterhin sollen anhand der längsschnittlichen Daten der NAKO Gesundheitsstudie Risikoprofile der Personen mit Long-COVID und PAIS analysiert werden. Zudem soll eine Fall-Kontroll-Studie durchgeführt werden, in der epigenetische Veränderungen in Blut-Immunzellen bei Long-COVID und PAIS-Fällen im Vergleich zu nicht betroffenen Menschen charakterisiert werden sollen. Der Schwerpunkt dieses Vorhabens liegt auf der Auswertung der Risikoprofile und Identifizierung von Mustern bei Long-COVID und PAIS mit Hilfe von Machine Learning.

Schwerpunkt Online-Befragung und Auswertung

Förderkennzeichen: 01KX2527C
Gesamte Fördersumme: 139.987 EUR
Förderzeitraum: 2025 - 2026
Projektleitung: Prof. Dr. Rafael Mikolajczyk
Adresse: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum, Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik
Magdeburger Str. 8
06112 Halle (Saale)

Schwerpunkt Online-Befragung und Auswertung

Im Verbundprojekt sollen Informationen zur Häufigkeit von Long,COVID und dem allgemeineren postakuten Infektionssyndrom (PAIS) generiert und Faktoren identifiziert werden, die das Risiko von Long-COVID und PAIS nach viralen Infektionen erhöhen. Zudem soll evaluiert werden, inwiefern sich diese Faktoren in epigenetischen Mustern abbilden. Dafür soll die Häufigkeit von Long-COVID und PAIS in der bevölkerungsbezogenen NAKO Gesundheitsstudie mittels einer Online-Befragung bestimmt werden. Weiterhin sollen anhand der längsschnittlichen Daten der NAKO Gesundheitsstudie Risikoprofile der Personen mit Long-COVID und PAIS analysiert werden. Zudem soll eine Fall-Kontroll-Studie durchgeführt werden, in der epigenetische Veränderungen in Blut-Immunzellen bei Long-COVID und PAIS-Fällen im Vergleich zu nicht betroffenen Menschen charakterisiert werden sollen. Der Schwerpunkt dieses Vorhabens liegt auf der Durchführung der Online-Befragung zum Gesundheitszustand und Beschwerden im Zusammenhang mit einer Infektion sowie wissenschaftlichen Auswertungen.