09.01.2026

| Aktuelle Meldung

Gemeinsam forschen für ein gesundes Gehirn

Mit gleich zwei Förderaufrufen startet die Europäische Partnerschaft für die Gesundheit des Gehirns (EP BrainHealth). Mit deutscher Schlüsselrolle zählt die auf zehn Jahre angelegte Förderallianz zu den größten Hirnforschungsinitiativen weltweit.

Auf einer Computergrafik ist in Seitenansicht ein violett leuchtendes Gehirn zu sehen, in seinem Innern sind Punkte miteinander vernetzt.

Wie bleibt unser Gehirn ein Leben lang möglichst gesund? Die Erforschung dieser Frage steht im Mittelpunkt der Europäischen Partnerschaft für die Gesundheit des Gehirns (EP BrainHealth).

KI/DLR Projektträger

Migräne, Alzheimer oder Depressionen: Erkrankungen des Gehirns zählen zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Neurologische und psychische Erkrankungen sind weltweit eine der Hauptursachen für Behinderungen und Todesfälle. Sie stellen eine große Belastung für die Betroffenen, ihre Familien und Pflegekräfte sowie die Gesundheitssysteme und die Volkswirtschaften dar.

Fast jeder zweite Mensch weltweit ist von Erkrankungen des Nervensystems betroffen. Die Gehirngesundheit zu fördern, zu erhalten und zu schützen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Forschung und Innovation sind Schlüssel zum Verständnis des komplexen Organs und ermöglichen neue Wege in Prävention, Diagnostik und Therapie.

Eine der größten Hirnforschungsinitiativen weltweit

Hier setzt die Europäische Partnerschaft für die Gesundheit des Gehirns an, die im Januar 2026 an den Start gegangen ist. Der Partnerschaft gehören mehr als 50 Förderorganisationen aus über 30 Ländern an. Mit einem geplanten Gesamtbudget von ca. 500 Millionen Euro gehört sie zu den größten Hirnforschungsinitiativen weltweit. Ihren offiziellen Auftakt wird die Partnerschaft bei einem Treffen Mitte Mai in Paris feiern.

Die auf zehn Jahre angelegte Partnerschaft strebt daher an, die Gehirngesundheitsforschung länderübergreifend aufeinander abzustimmen. Ergebnisse sollen dabei nicht nur schneller vom Labor in die Klinik gelangen. Die EP BrainHealth setzt auch auf einen Perspektivwechsel. Statt nur Krankheiten zu behandeln, will sie die Prävention stärken und lebenslange Gehirngesundheit fördern.

Deutschland hat in der EP BrainHealth eine Schlüsselrolle inne: Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) übernimmt die Koordination der Partnerschaft und fördert das Vorhaben mit rund 48 Millionen Euro. Ziel ist es, die wissenschaftlichen Erkenntnisse schneller in innovative Ansätze für eine verbesserte Vorbeugung, Diagnostik und Therapie zu führen.

Unterschiedliche Faktoren der Gehirngesundheit im Blick

Die Gesundheit des Gehirns ist dynamisch und wird in jeder Phase des Lebens von biologischen, sozialen und umweltbedingten Faktoren geprägt. Wie sich diese Faktoren über die gesamte Lebensspanne ergründen, erkennen und beeinflussen lassen, ist Teil der ersten beiden Förderausschreibungen der EP BrainHealth. Sowohl die Erforschung neurologischer, psychischer und sensorischer Störungen (etwa Migräne, Schlaganfall, Depressionen) als auch neurodegenerativer Störungen (zum Beispiel Demenz, Parkinson) stehen dabei im Mittelpunkt.

Welche Rolle spielen biologische Faktoren wie Genetik und Epigenetik? Wie wirken sich soziale Faktoren und der Lebensstil auf die Gehirngesundheit aus – etwa Kindheitserfahrungen, Geschlecht und Bildung sowie Bewegung, Ernährung, Schlaf? Wie beeinflussen Umweltfaktoren wie der Klimawandel oder Pandemien unser Denkorgan und unser Wohlbefinden? Bis zum 10. März 2026 können sich Forschende mit ihren Ideen für einen Forschungsverbund bewerben.

EP BrainHealth – Förderrichtlinie 1 zu neurologischen, psychischen und sensorischen Störungen

EP BrainHealth – Förderrichtlinie 2 zu neurodegenerativen Störungen

Gehirngesundheit weltweit

Weltweit lebten nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2021 geschätzt mehr als drei Milliarden Menschen auf der Welt mit mindestens einer neurologischen Erkrankung. Jährlich sterben mehr als elf Millionen Menschen daran. Die häufigsten neurologischen Erkrankungen, die 2021 zu Tod und Behinderung führten, waren unter anderem Schlaganfall, Migräne, Alzheimer und andere Formen von Demenz.

Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit lebten im Jahr 2021 nach Angaben der WHO mit psychischen Erkrankungen. 53 Prozent der Erkrankten sind Frauen, 47 Prozent Männer. Depressive Störungen und Angstzustände sind bei Frauen häufiger, bei Männern sind ADHS oder Störungen aus dem Autismus-Spektrum häufiger.