Zwischen Fortschritt und Verantwortung: Hirnorganoide im Fokus

Das Forschungsprojekt NAWiStem3D befasst sich mit wissenschaftstheoretischen, ethischen und gesellschaftlichen Aspekten einer neuen biomedizinischen Technologie: dreidimensionalen, aus Stammzellen erzeugten Modellen des Gehirns, den Hirnorganoiden.  

Mit KI generierte Darstellung kleiner kugelförmiger Zellgebilde, die mit einer Pipette in eine Petrischale eingebracht werden.

Wie gehen wir mit Gehirnmodellen in der Forschung um, mit Hirnorganoiden die im Labor aus humanen Stammzellen gewonnen wurden? Sie gelten als mögliche Alternative zu Tierversuchen in der medizinischen Forschung.

Pete / Adobe Stock (generiert mit KI)

Neuartige Technologien ermöglichen es, im Labor aus menschlichen Stammzellen Modelle zu erzeugen. Solche dreidimensionalen rudimentären Mini-Organe, in der Fachsprache Organoide genannt, können die Strukturen und Funktionen im Menschen entwickelter reifer Organe nachahmen. Sie werden beispielsweise eingesetzt, um Krankheitsverläufe zu erforschen und Medikamente zu testen.  

Im Projekt NAWiStem3D analysieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Potenzial der Forschung mit neuronalen Organoiden und welche möglichen Nachteile oder Gefahren mit den Entwicklungen verbunden sind. Hirnorganoide werden genutzt, um Krankheiten des Gehirns zu untersuchen und besser zu verstehen, wie sich das menschliche Nervensystem entwickelt; sie gelten als mögliche Alternative zu Tierversuchen in der medizinischen Forschung und sollen die gezielte Entwicklung von Therapien voranbringen. Den Forschenden geht es darum, sowohl die Chancen als auch die Risiken dieser Methode angemessen, realistisch und verantwortungsvoll einzuschätzen und zu bewerten. Hierfür werden empirisch informiert wissenschaftstheoretische Analysen und ethische Untersuchungen miteinander verknüpft.

Die übergeordneten Leitfragen dabei: Wie lassen sich neuronale Organoide wissenschaftlich charakterisieren und welche Arten von Organoiden lassen sich unterscheiden? Wie können Nutzen und Risiken innerhalb normativer Rahmenbedingungen berücksichtigt werden, ohne in die Fallstricke von Hype, überzogenen Versprechungen oder übertriebener Vorsicht bei der Bewertung neuer Technologien zu verfallen? Für die Bearbeitung dieser Fragen vereint der Verbund Expertise aus den Neurowissenschaften sowie der Neuro- und Wissenschaftsethik.

Im Endergebnis führt NAWiStem3D zu der Entwicklung von Empfehlungen und eines Code of Conduct, der als Leitfaden die Weiterentwicklung der Technologie begleitet. Um einen breiteren Austausch mit Wissenschaft und der Gesellschaft zu ermöglichen, sollen die Ergebnisse des Vorhabens sowohl Expertinnen und Expertinnen dieses Forschungsfeldes als auch einer interessierten Öffentlichkeit in Form von einem Bürgerdialog, auf Websites und LinkedIn zugänglich gemacht werden.  

Weitere Informationen: NAWiStem3D - Neuronale Organoide: Wissenschaftstheoretische, ethische und rechtliche Implikationen alternativer, aus Stammzellen gewonnener 3D-Modelle

Förderinitiative: Ethische, rechtliche und soziale Aspekte von Zukunftsthemen in den modernen Lebenswissenschaften sowie entwicklungsbiologische Forschung und ihre mögliche Anwendung am Menschen

Projekttitel: NAWiStem3D - Neuronale Organoide: Wissenschaftstheoretische, ethische und rechtliche Implikationen alternativer, aus Stammzellen gewonnener 3D-Modelle

Projektvolumen: 871.997 Euro

Projektlaufzeit: 2026 – 2029

Projektkoordination:
Dr. Sarah Diner,
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institute for Medical Humanities
Venusberg-Campus 1
53127 Bonn

Projektpartner:
Prof. Dr. Bert Heinrichs,
Forschungszentrum Jülich, Institut für Neurowissenschaften und Medizin – Gehirn und Verhalten (INM-7), Arbeitsgruppe „Neuroethik und Ethik der KI“