Die Landwirtschaft der Zukunft wird maßgeblich von neuen Züchtungstechniken bestimmt werden, den sogenannten NGT. Expertinnen und Experten im Projekt ALIGN erarbeiten einen ethischen Bewertungsrahmen und entsprechende Handlungsempfehlungen.

Wie gehen wir mit Nutzpflanzen um, die mit neuen genomischen Techniken verändert wurden? Das ist Thema im Projekt ALIGN.
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Wie sieht die Landwirtschaft von morgen aus, welche Regelungen werden für die Herstellung von Nahrungsmitteln gelten? Werden Nutzpflanzen künftig häufiger mit neuen genomischen Techniken gezielt verändert, und was bedeutet das für den Verbraucherschutz und insbesondere die Wahlfreiheit bei Lebensmitteln? Und vor allem: Wie lässt sich technologischer Fortschritt mit Vorsorge, Umwelt- und Verbraucherschutz, Wahlfreiheit und fairem Zugang zu Saatgut verbinden?
Diesen Fragen geht das interdisziplinäre Forschungsprojekt ALIGN auf den Grund. Im Zentrum stehen dabei die neuen genomischen Techniken (NGT). Während die Wissenschaft bereits Pflanzen entwickelt, die etwa besser mit Hitze oder Trockenheit umgehen oder weniger Dünger benötigen könnten, untersucht ALIGN die Folgen für die Gesellschaft. Es geht dabei weniger um die Technik an sich, als vielmehr um das Regelwerk dahinter: Was ist ethisch vertretbar, rechtlich tragfähig und wird von der Gesellschaft mitgetragen?
Die Arbeit von ALIGN ist hochaktuell: Auf Ebene der Europäischen Union hat das Europäische Parlament am 17. Juni 2026 die neuen Regeln für Pflanzen aus neuen genomischen Techniken angenommen. Damit ist der politische Rahmen weitgehend gesetzt; die Verordnung tritt nach Veröffentlichung im Amtsblatt der EU in Kraft und soll zwei Jahre später angewendet werden. Gerade deshalb rücken nun Fragen der praktischen Umsetzung in den Mittelpunkt. ALIGN analysiert dabei genau jene kritischen Punkte, die weiterhin wichtig bleiben: Werden Verbraucherinnen und Verbraucher durch transparente Informationen und Kennzeichnungspflichten ausreichend informiert? Lässt sich die Herkunft der Pflanzen lückenlos zurückverfolgen? Und wie lässt sich sicherstellen, dass der Zugang zu Saatgut für die Landwirtschaft fair gestaltet bleibt und Wertschöpfungsketten stabil bleiben?
Im Projekt erarbeiten Juristinnen und Juristen, Wirtschaftsexpertinnen und -experten sowie Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler Handlungsempfehlungen und Leitfäden für Entscheidungsträger in Politik, Verwaltung und Züchtungsunternehmen. Dabei bringen sie relevante Akteure aus ökologischem Landbau, Saatgutwirtschaft, Behörden, Wissenschaft und weiteren gesellschaftlichen Bereichen an einen Tisch. Um eine breitere Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, setzt ALIGN auf breit zugänglichen Wissenstransfer. Über einen offenen „Knowledge Hub“ im Internet und eine eigene Podcast-Serie werden die komplexen Zusammenhänge zielgruppengerecht aufbereitet. So schafft das Projekt die Grundlage für eine sachliche Diskussion über ein Thema, das die künftige Landwirtschaft und Pflanzenzüchtung wesentlich mitprägen kann.
Weitere Informationen: ALIGN - Förderung rechtlicher, innovativer und Governance-Netzwerke für NGTs in Pflanzen
Förderinitiative: Ethische, rechtliche und soziale Aspekte von Zukunftsthemen in den modernen Lebenswissenschaften sowie entwicklungsbiologische Forschung und ihre mögliche Anwendung am Menschen
Projekttitel: ALIGN – Förderung rechtlicher, innovativer und Governance-Netzwerke für NGTs in Pflanzen
Projektvolumen: 1.041.846 Euro
Projektlaufzeit: 2026 – 2029
Projektleitung:
Prof. Dr. Kai Purnhagen,
Universität Bayreuth – Forschungsstelle für Deutsches und Europäisches Lebensmittelrecht - Lehrstuhl Lebensmittelrecht
Universitätsstr. 30, 95447 Bayreuth
Projektpartner:
Dr. Frank Hartung,
Julius Kühn-Institut – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) – Institut für die Sicherheit biotechnologischer Verfahren bei Pflanzen
Dr. Nicola Consmüller,
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) – Abteilung 4 (Gentechnik)
Dr. Stephan Schleissing,
Institut Technik-Theologie-Naturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München