Viele Menschen vermuten, dass sie Weizen nicht vertragen. Sie verzichten daher auf dieses Grundnahrungsmittel oder stellen auf eine glutenfreie Ernährung um. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass eine echte Weizenallergie sehr selten vorkommt.

Ist da etwa Weizen drin? Nahrungsmittelunverträglichkeiten beeinträchtigen die Lebensqualität und soziale Teilhabe der Betroffenen massiv. Oft sind selbst auferlegte Diäten dennoch nicht hilfreich. ©YesPhotographers/Adobe Stock
Ob in frischen Brötchen, Pfannkuchen, Spätzle oder als Bindemittel in Soßen – in vielen Nahrungsmitteln unseres Kulturkreises ist Weizen enthalten. Doch Weizen gerät immer häufiger unter Verdacht, Allergien auszulösen und somit ungesund zu sein. Wie häufig sind Allergien gegen Weizen? Welche Symptome gibt es? Sollte man dieses Getreide sicherheitshalber ganz weglassen?
Nur wenige Menschen sind wirklich allergisch gegen Weizenproteine
Ein Team von Forschenden an der Charité – Universitätsmedizin Berlin unter Leitung von Professorin Dr. Margitta Worm ging diesen Fragen nach. Die Studie, die im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Verbundes WHEAT-A-BAIC durchgeführt wurde, kam zu einem spannenden Ergebnis: „Unsere für Deutschland repräsentative Stichprobe zeigte, dass eine echte Nahrungsmittelallergie gegenüber Weizen glücklicherweise sehr selten ist: Nur 0,25 Prozent der deutschen Bevölkerung leiden an einer Allergie gegen Weizenproteine. Diese Menschen sollten deshalb Weizen und verwandte Getreidesorten strikt meiden“, fasst Worm zusammen. Anders sieht es mit der selbstberichteten Weizenunverträglichkeit aus: Diese liegt basierend auf den Befragungen bei rund 13,1 Prozent der Bevölkerung vor, wobei Frauen mit 17,5 Prozent deutlich häufiger betroffen sind als Männer mit 8,8 Prozent.
Allergie, Zöliakie, Unverträglichkeit – woran man den Unterschied erkennt
„Eine Weizenallergie ist eine echte Nahrungsmittelallergie, bei der das Immunsystem Antikörper (IgE) gegen Weizenproteine bildet. Die Symptome können sofort oder bis zu zwei Stunden nach dem Verzehr auftreten und umfassen Hautausschlag, Atemnot, Schwellungen oder Magen-Darm-Beschwerden“, erklärt Worm. „Die Betroffenen sollten Weizen und verwandte Produkte wie Dinkel, Grünkern oder Emmer konsequent meiden.“ Davon zu unterscheiden sei die Zöliakie, eine Autoimmunerkrankung, bei der das Klebereiweiß von Getreiden – Gluten – die Dünndarmschleimhaut angreift und schädigt. Die Symptome sind chronische Verdauungsprobleme, Mangelernährung, Gewichtsverlust. „Für diese Menschen ist es wichtig, sich strikt glutenfrei zu ernähren“, so die Wissenschaftlerin.

„Bei Beschwerden mit Weizen sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen, um zu unterscheiden, ob eine Allergie, eine Zöliakie oder eine Unverträglichkeit vorliegt“, sagt Professorin Dr. Margitta Worm. © privat
Weitaus häufiger, dies bestätigten die Untersuchungen an 1.770 Befragten, scheint eine selbst wahrgenommene Weizenunverträglichkeit zu sein – also das Empfinden von Beschwerden nach dem Verzehr von Weizen ohne nachgewiesene Allergie oder Zöliakie. Die Auslöser sind häufig noch unbekannt. Die Beschwerden treten weniger rasch auf als bei einer Allergie und äußern sich anders. Typisch sind Verdauungsprobleme, Müdigkeit, Kopfschmerzen und das Gefühl von Verwirrtheit („brain fog“). Die Studie im Rahmen von WHEAT-A-BAIC trug dazu bei, diese unterschiedlichen Symptomprofile genauer zu beschreiben.
Radikale Ernährungsumstellungen sind oft nicht ratsam
„Bei Beschwerden mit Weizen sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen, um zu unterscheiden, ob eine Allergie, eine Zöliakie oder eine Unverträglichkeit vorliegt, da die daraus folgenden Ernährungsempfehlungen unterschiedlich sind“, so Allergologin Worm. „Viele Betroffene stellen auf Verdacht auf eine glutenfreie Ernährung um. Möglicherweise ernähren sich diese Patienten dann völlig unnötig glutenfrei, was mit einer starken Einschränkung der Lebensqualität und höheren Kosten verbunden ist. Auch sind glutenfreie Produkte nicht unbedingt weizenfrei, sodass diese für Menschen mit Weizenallergie schädlich sein können.“
Doch was rät die Expertin den Patientinnen und Patienten, die sich nach dem Verzehr von Weizen unwohl fühlen, ohne dass bei ihnen eine eindeutige Diagnose gestellt werden kann? „Eine professionelle Ernährungsberatung kann hier sinnvoll sein“, sagt Margitta Worm. „Häufig reicht es beispielsweise, die Ernährung auf eine vielfältige Mischkost umzustellen, die reich an Gemüse und Hülsenfrüchten ist.“
Interdisziplinäre Forschungsverbünde zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten
WHEAT-A-BAIC ist einer von fünf vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) bis 2025 geförderten Verbünden zur Erforschung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Ziel des Verbundes WHEAT-A-BAIC war es, die Weizenallergie und -unverträglichkeit vom Säuglings- bis zum Erwachsenenalter zu untersuchen, um die Diagnostik und Versorgungsstandards von Menschen mit Nahrungsmittelallergien zu verbessern.
Originalpublikationen:
Neyer A, Dölle-Bierke S, Höfer V, Grünhagen J, Beyer K, Worm M. Prevalence and Clinical Symptoms of Wheat Allergy in Adults and Adolescents in Central Europe. Clin Exp Allergy. 2025 Apr;55(4):319-329.
Worm M, Dölle-Bierke S, Höfer V. The Frequency of Food Allergens as Triggers of Severe Allergic Reactions—Data from the Anaphylaxis Registry. Dtsch Arztebl Int. 2024 Sep 6;121(18):610-611.
Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. med. Margitta Worm
Allergologie und Immunologie
Wieik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
10117 Berlin