| Förderkennzeichen: | 01ZU2509 |
| Fördersumme: | 1.878.357 EUR |
| Förderzeitraum: | 2026 - 2031 |
| Projektleitung: | Dr. Jessica Hartmann |
| Adresse: |
Universität zu Köln, Medizinische Fakultät, Universitätsklinikum, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Kerpener Str. 62 50937 Köln |
Psychische Erkrankungen entstehen meist nicht abrupt und geradlinig, sondern entwickeln sich über längere Zeit mit schwankenden Beschwerden, plötzlichen Einbrüchen oder einer schleichenden Verschlechterung. Manche dieser Verläufe stabilisieren sich wieder, andere gehen in eine klar erkennbare psychische Erkrankung über. Bislang fehlen jedoch geeignete Werkzeuge, um typische Muster sowie frühe Warnsignale möglicher Kipppunkte zuverlässig zu erkennen. Zugleich sind systematische Untersuchungen solcher Verläufe im realen Alltag junger Menschen nur begrenzt möglich, da man dazu junge Menschen absichtlich erhöhten Belastungen aussetzen müsste. Hier setzt SiReD-MH an. Es wird ein virtuelles Labor für psychische Gesundheit kreiert, das auf bereits erhobenen digitalen Verlaufsdaten aus internationalen Studien basiert. Hier wurden bei jungen Menschen per Smartphone-App Stimmung, Beschwerden, Aktivität und Mobilität erhoben. Mit modernen Lernverfahren werden daraus Computermodelle abgeleitet, die realistische Verläufe von Symptomen im Alltagskontext nachzeichnen. Auf dieser Basis werden "synthetische Patienten" erzeugt, deren Verläufe in einer Simulationsumgebung beobachtet werden. In dieser Umgebung lassen sich sowohl natürliche Verläufe als auch virtuelle Belastungen durchspielen, in denen sich Alltagsmuster gezielt verändern lassen, ohne reale Personen zu gefährden. Auf diesem Weg werden Merkmale der seelischen Widerstandskraft und Muster kritischer Übergänge abgeleitet: Wann kehrt ein System nach einer Störung in einen stabilen Zustand zurück, und wann gerät es ins Kippen? Diese Einsichten fließen in Analyse- und Simulationswerkzeuge ein, mit denen digitale Frühwarnsysteme entwickelt und realitätsnah getestet werden, bevor sie in die Versorgung gehen. SiReD-MH schafft damit die Grundlage für digitale Frühwarninstrumente, mit denen gefährdete junge Menschen früher erkannt, gezielter unterstützt und psychische Krisen möglichst verhindert werden können.