26.01.2026

| Aktuelle Meldung

Telemedizin-App: Smart vernetzt mit der Kinderklinik

Rund zwei Millionen junge Menschen in Deutschland sind chronisch krank. Um sie im Alltag zu entlasten, bauen Forschende im Projekt Techped eine digitale Ambulanz auf. Eine App kombiniert telemedizinische Sprechstunden mit spielerischen Lernmodulen.  

Auf dem Bildschirm sind vier Tablets mit Illustrationen und Bildausschnitten aus einer App zu sehen, die sich an chronisch kranke Kinder richtet.

Die Game-App von Techped vermittelt spielerisch Wissen für den Alltag chronisch kranker Kinder und Jugendliche – zum Beispiel wie man die Notfall-Tasche packt (im Bild unten rechts).

Techped

Asthma, Diabetes oder Adipositas: Mehr als zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland leben mit einer oder mehreren chronischen Erkrankungen. Das bedeutet: oft zu Hause bleiben statt in die Schule zu gehen, zu spielen oder Sport zu treiben. Auch stehen regelmäßige ärztliche Kontrolltermine auf dem Programm, verbunden mit Fahrtwegen und Wartezeiten, die den Betroffenen und ihren Familien einiges abverlangen.

Das Projekt Techped möchte die medizinische Begleitung der jungen Patientinnen und Patienten ortsunabhängiger machen – und hat dazu eine digitale Ambulanz aufgebaut, die als App auf mobilen Endgeräten läuft. „Wir wollen die betroffenen Kinder und Jugendlichen und ihre Familien entlasten und lange Fahrtwege in die Spezialsprechstunde verringern“, sagt Professor Dr. Dr. Fabian Frielitz, der das im Jahr 2022 gestartete Projekt leitet.

An der Universität in Magdeburg hat Frielitz den Lehrstuhl für Telemedizin, Digitalisierung und Ökonomie in der Medizin inne. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Projekt mit 1,7 Million Euro im Rahmen einer Nachwuchsgruppe für Versorgungsforschung.

Sichere Plattform für Videosprechstunden

Für die digitale Ambulanz hat das Techped-Team die sogenannte mHealth-Plattform entwickelt und programmiert. Sie kombiniert zwei Apps miteinander, die sowohl für die Betriebssysteme Android und iOS entworfen wurden.

Die Telemedizin-App dient dabei als Kommunikationsbrücke zwischen dem Zuhause der jungen Betroffenen und der Klinik. Über die App treffen sich die Kinder und Jugendlichen mit den Ärztinnen und Ärzten in Videosprechstunden. Wichtige Messwerte wie Körpertemperatur oder Sauerstoff-Sättigung können manuell oder über Bluetooth-Geräte – darunter auch Wearables – erfasst werden.

Portrait von Professor Fabian Frielitz

Prof. Dr. Dr. Fabian Frielitz hat den Lehrstuhl für Telemedizin, Digitalisierung und Ökonomie in der Medizin an der Universität Magdeburg inne.

Fabian Frielitz

„Wir haben im Projektteam für den Datentransfer einen extrem hohen Verschlüsselungsstandard gemäß dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik entwickelt und integriert, sodass die Patientendaten sicher ausgetauscht werden können“, sagt Frielitz. Nur das ärztliche Personal könne die Datenpakete öffnen.

Ein Dashboard zeigt dem medizinischen Personal zudem alle wesentlichen Informationen sowie deren Veränderungen auf dem Bildschirm direkt an und erleichtert die Koordination telemedizinischer Termine.

Spielerisch Wissen aneignen mit der Gaming-App

Eine zweite App ermöglicht es den chronisch erkrankten Kindern und Jugendlichen, sich spielerisch wichtiges Wissen für ihren alltäglichen Umgang mit ihrer Erkrankung anzueignen. In der vom Techped-Team selbst designten Gaming-App reisen die Kinder und Jugendlichen durch einen virtuellen Ort mit Supermarkt, Schwimmbad, Schule, Wohnhaus und Klinikum. Behandlungs- und Alltagsereignisse werden digital aufgearbeitet – in Form von Mini-Spielen und kurzen Erklärvideos. Was packe ich als Diabetiker in meine Notfalltasche? Was bedeutet es, einen Unterzucker zu haben?

„Das ist ziemlich nah dran an dem, wie Kinder heute lernen“, beschreibt Frielitz den Gamification-Ansatz. Ziel sei es, die Selbstwirksamkeit und Gesundheitskompetenz der Betroffenen zu stärken. Dabei wurden und werden Kinder und Jugendliche aktiv in die Gestaltung der App miteinbezogen. „Die Ideen und Alltagserlebnisse der Kinder werden Teil der App“, sagt Frielitz.

Um Sprachbarrieren zu überwinden, wurde eine multilinguale Oberfläche konzipiert. „Dafür haben wir ein KI-Modell im Einsatz, um die Text- und Sprachausgaben in Deutsch, Englisch, Ukrainisch, Türkisch entsprechend auf muttersprachlichem Niveau bereitstellen zu können“, so Frielitz. Das kommt offenbar gut an, wie sich in zahlreichen Testläufen und Umfragen unter den jungen Usern herausstellte: „Wir sehen, wie gut der Gamification-Ansatz angenommen wird. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Nachwuchsgruppen in der Versorgungsforschung

Die Versorgungsforschung liefert wichtige Erkenntnisse und die erforderliche wissenschaftliche Evidenz im Versorgungsalltag. Eine starke Versorgungsforschung leistet einen wichtigen Beitrag für ein vorsorgendes, bedarfsgerechtes und modernes Gesundheitssystem.  Gefördert werden insgesamt zehn interdisziplinäre Nachwuchsgruppen in der Versorgungsforschung. Die Förderung erfolgt in Form konkreter Forschungsprojekte. Die Themen der Forschungsprojekte weisen eine hohe Relevanz für die Patientenversorgung auf und decken ein weites Spektrum der Versorgungsforschung ab.
Mehr Infos: Nachwuchsgruppen in der Versorgungsforschung

Digitale Ambulanz wird in Studie erprobt

Frielitz hebt einen weiteren Gewinn hervor: „Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die verbesserte Einbindung beider Elternteile, weil diese nun unkompliziert an den Terminen teilnehmen können.“

In einem nächsten Schritt wird die mHealth-Plattform nun an zwei Standorten in einer klinischen Studie erprobt. An der Universitätskinderklinik Magdeburg und dem Klinikum Bremen-Nord wird die Wirksamkeit der digitalen Ambulanz zunächst bei Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes untersucht. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne das digitale Angebot werden jeweils 40 Kinder und Jugendliche die Game-App alleine oder in Kombination mit der Videosprechstunde testen.