26.05.2026

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Starker Schutzschild gegen neue Krankheitserreger

Infektionsrisiken verändern sich weltweit – nicht zuletzt durch den Klimawandel. Bei der vierten Jahrestagung des Modellierungsnetzwerks MONID standen daher auch klimabedingte Gesundheitsrisiken im Fokus.

Zuhörende bei einem Vortrag

In der Leopoldina in Halle kamen rund 150 Modelliererinnen und Modellierer zusammen. Ihr Ziel: verlässliche Prognosen für künftige Infektionswellen.

Universitätsmedizin Halle

Der Klimawandel könnte die Landkarte der Infektionskrankheiten neu vermessen. Denn steigende Temperaturen und mildere Winter schaffen auch in Europa günstige Bedingungen für Mücken- oder Zeckenarten, die früher nur in tropischen Regionen der Welt heimisch waren. Mit ihnen verbreiten sich gefährliche Krankheitserreger wie das Dengue- oder West-Nil-Virus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Erkrankungen, die durch so genannte Vektoren wie Mücken übertragen werden, inzwischen zu den weltweit bedeutendsten Infektionsgefahren. Um für solche und weitere Herausforderungen künftig besser gewappnet zu sein, haben Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachdisziplinen im Modellierungsnetzwerk für schwere Infektionskrankheiten, kurz MONID, ihre Kräfte gebündelt. Bei der vierten Jahrestagung des Netzwerks kamen in Halle rund 150 nationale und internationale Forschende zusammen.

Grundlage für fundierte Entscheidungen

Wie dynamisch die Entwicklung sein kann, machte der brasilianische Epidemiologe Professor Dr. Daniel Villela in seinem Vortrag gleich zu Beginn der Tagung deutlich. In Brasilien gehören Malaria- oder Dengue-Ausbrüche bereits seit Jahrzehnten zum Alltag. Doch das Land hält mit innovativer Forschung dagegen: Mathematische Modelle tragen entscheidend dazu bei, bevorstehende Infektionswellen vorherzusagen sowie Impfstrategien und Eindämmungsmaßnahmen strategisch zu planen. Für Europa sind diese Ansätze ein wegweisender Blick in die eigene Zukunft.

„In einer Welt, in der sich Infektionsrisiken durch den Klimawandel und die globale Vernetzung ständig verändern, braucht es vor allem drei Dinge: Orientierung, Klarheit und Weitsicht“, betonte Katharina Peter, Leiterin der Unterabteilung Technologien in den Lebenswissenschaften im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Das Netzwerk MONID spiele dabei eine Schlüsselrolle. „Indem Sie Expertise bündeln und Modelle weiter verfeinern, schaffen Sie die Grundlage für fundierte Entscheidungen – nicht nur im Krisenfall“, so Peter in ihrer Eröffnungsrede. Tatsächlich sind Modelle heute auch in der Infektionsforschung in Deutschland zentrale Wegweiser. Sie helfen Gesundheitsbehörden abzuschätzen, wie schnell sich Erreger ausbreiten, welche Bevölkerungsgruppen besonders gefährdet sind oder welche Maßnahmen die größte Wirkung entfalten könnten.

Prof. Dr. Berit Lange vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Prof. Dr. Claudia Becker, Rektorin der Universität Halle-Wittenberg, Ministerialdirigentin Katharina Peter vom BMFTR und MONID-Koordinator Professor Dr. Rafael Mi-kolajczyk

Begrüßten die Teilnehmenden im Festsaal der Leopoldina (v. l.): Prof. Dr. Berit Lange vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Prof. Dr. Claudia Becker, Rektorin der Universität Halle-Wittenberg, Ministerialdirigentin Katharina Peter vom BMFTR und MONID-Koordinator Professor Dr. Rafael Mikolajczyk. © Universitätsmedizin Halle

Gezielte Zusammenarbeit mit Akteuren aus der Praxis

Genau an dieser Schnittstelle arbeitet MONID seit seiner Gründung im Jahr 2022 in der Hochphase der Corona-Pandemie. Das vom BMFTR geförderte Netzwerk verbindet Forschungseinrichtungen aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Gemeinsam entwickeln sie mathematische und datenbasierte Szenarien zur Ausbreitung von Infektionskrankheiten und zur Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in belastbare Entscheidungsgrundlagen für Politik, Behörden und Gesundheitswesen zu übersetzen. Dabei setzt das Netzwerk gezielt auf die Zusammenarbeit mit Akteuren aus der Praxis – darunter das Robert Koch-Institut, die WHO oder das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM). Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie haben gezeigt, wie wichtig solche Kooperationen geworden sind: Modelle entfalten ihren Nutzen besonders dann, wenn Forschung, Gesundheitsbehörden und klinische Versorgung eng zusammenarbeiten.

Anfang dieses Jahres ist MONID in die zweite Phase gestartet. Das BMFTR fördert bis 2029 sieben Forschungsverbünde mit rund 17 Millionen Euro. Damit baut das Netzwerk seine Expertise weiter aus. Respiratorische Erkrankungen wie Influenza oder Corona bleiben weiter ein zentrales Thema, zugleich erweitern die Modelliererinnen und Modellierer ihren Fokus: Künftig beschäftigen sich die Forschenden verstärkt auch mit vektorübertragenen Krankheiten sowie mit Infektionen, die in Kliniken durch multiresistente Keime entstehen. Damit reagiert das Netzwerk auf Entwicklungen, die durch Klimawandel, demografischen Wandel und globale Mobilität zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Infektionsentwicklung ständig im Blick

Die Jahrestagung machte zudem deutlich, wie sehr sich die Perspektive auf Infektionskrankheiten in den vergangenen Jahren verändert hat. Während die Forschung früher häufig auf einzelne Krankheitserreger oder akute Infektionswellen reagierte, geht es heute zunehmend darum, auf den Krisenfall schon im Vorfeld gut vorbereitet zu sein. Daher muss die Entwicklung des Infektionsgeschehens ständig im Blick behalten werden: Wie verändern sich Krankheitsmuster durch steigende Temperaturen? Welche Regionen werden künftig besonders betroffen sein? Und wie lässt sich verhindern, dass lokale Ausbrüche zu einer größeren Gefahr werden? Genau hier setzt MONID an. Das Netzwerk arbeitet an Modellen, die klinische Daten, Umweltfaktoren und gesellschaftliche Entwicklungen zusammenführen. Das Ziel ist klar: Infektionsschutz vorausschauender zu gestalten als je zuvor.