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Schnelltests reduzieren unnötige Antibiotika-Verordnungen

Halsschmerzen, Fieber und Belag auf den Mandeln – wenn eine Infektion mit Streptokokken-Bakterien dahintersteckt, kann ein Antibiotikum nötig sein. Was aber, wenn Viren die Symptome auslösen? Ein Schnelltest kann bei der Diagnostik helfen.

Ein Arzt untersucht den Rachen eines Kindes. Der Arzt trägt einen Mund-Nasen-Schutz.

Ob eine Infektion mit Streptokokken A hinter den Halsschmerzen steckt, lässt sich auf den ersten Blick oft nicht erkennen.

Robert Przybysz / Adobe Stock

Hartnäckiger Husten und starke Halsschmerzen sind häufig ein Grund, den Kinder- oder Hausarzt aufzusuchen. Gerade bei Kindern sind nicht selten Bakterien, genauer eine Infektion mit Gruppe-A-Streptokokken, der Auslöser für diese Symptome – aber nicht immer. Ein Großteil der Atemwegsinfekte ist viral bedingt, wird also nicht von Bakterien, sondern von Viren ausgelöst. Und bei einer viralen Infektion helfen Antibiotika nicht. Bei einer Streptokokken-A-Infektion – wie beispielsweise Scharlach – ist hingegen oftmals die Behandlung mit einem Antibiotikum wichtig, um weitere Komplikationen zu verhindern.

Im Praxisalltag auf den ersten Blick zu erkennen, wer ein Antibiotikum braucht und bei wem es nicht helfen kann, ist für Ärztinnen und Ärzte nicht immer einfach. Die Folge: Es werden zum Teil Antibiotika verordnet, obwohl diese nicht notwendig sind. Diese falsch verordneten Antibiotika begünstigen wiederum die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen. „Ein in der Arztpraxis durchgeführter Schnelltest kann helfen, diese diagnostische Unsicherheit zu verringern“, sagt Dr. Robby Markwart vom Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Jena. Doch bislang war der klinische Nutzen dieser Schnelltests nicht eindeutig nachgewiesen. „Deshalb war vielen Ärzten unklar, ob ein Schnelltest tatsächlich sinnvoll ist“, beschreibt der promovierte Biochemiker und Versorgungsforscher. In einem vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten systematischen Review gingen Markwart und sein Team deshalb der Frage nach, ob der Einsatz von Schnelltests auf Gruppe-A-Streptokokken bei Anzeichen für eine Rachenentzündung (Pharyngitis) Ärztinnen und Ärzte dabei unterstützen kann, weniger, aber dafür gezielter Antibiotika zu verordnen – ohne jedoch die Gesundheit der Patientinnen und Patienten zu gefährden.

Was ist ein Systematischer Review?

Ein Systematischer Review ist eine wissenschaftliche Übersichtsstudie, die alle verfügbaren Forschungsergebnisse zu einer Fragestellung nach festen, transparenten Kriterien sammelt, bewertet und zusammenfasst. Im hier beschriebenen Systematischen Review wurden acht randomisierte kontrollierte klinische Studien zum Einsatz von Schnelltests auf Gruppe-A-Streptokokken in der Primärversorgung mit mehr als 4.200 Patientinnen und Patienten in die statistische Auswertung einbezogen.

Auf einer Handinnenfläche liegt eine weiße Tablette. Mit der anderen Hand wird eine Tabletten-Verpackung gehalten.

Ist das Antibiotikum wirklich nötig? Durch Schnelltests auf Gruppe-A-Streptokokken können bis zu 38 Prozent der Antibiotikaverordnungen eingespart werden.

KMPZZZ / Adobe Stock

38 Prozent weniger Antibiotika

Das Ergebnis der statistischen Auswertung ist eindeutig: Durch den Einsatz von Schnelltests auf Gruppe-A-Streptokokken können tatsächlich 38 Prozent der Antibiotikaverordnungen eingespart werden. Bei Kindern unter 18 Jahren führt der Einsatz der Schnelltests sogar zu 44 Prozent weniger Verordnungen, bei Erwachsenen können 43 Prozent der unnötigen Antibiotika-Verordnungen vermieden werden. Für die Patientinnen und Patienten zeigte der Einsatz der Schnelltests keine Nachteile. So führte die durch einen Schnelltest unterstützte Diagnose und die damit verbundene Einsparung an Antibiotika nicht zu einer Verlängerung der Symptome. Auch hatte der Einsatz der Schnelltests keinen signifikanten Einfluss auf die Anzahl der Folgekonsultationen bei Arzt oder Ärztin beziehungsweise auf die Abwesenheitstage in der Schule oder bei der Arbeit. „Haus- und Kinderärzte können die Schnelltests auf Gruppe-A-Streptokokken also nutzen, um ihre Entscheidungen zur Verschreibung von Antibiotika zu unterstützen, ohne die Gesundheit ihrer Patientinnen und Patienten zu beeinträchtigen“, fasst Markwart die Ergebnisse der Studie zusammen.

Dennoch müssen sich die Ärztinnen und Ärzte der Einschränkungen dieser Schnelltests bewusst sein, erläutert der Experte: Denn die Schnelltests zeigen zwar mit einer recht hohen Genauigkeit (Spezifität) an, dass tatsächlich keine Streptokokken-A-Infektion vorliegt, so dass auf ein Antibiotikum verzichtet werden kann. Die Genauigkeit hingegen, mit der die Schnelltests auf eine bestehende Streptokokken-Infektion hinweisen (Sensitivität), ist eingeschränkt. „Es ist deshalb wichtig, sich nie nur auf das Ergebnis des Tests zu verlassen, sondern stets die Gesamtschau der Symptome einzubeziehen“, rät Markwart. In einigen Ländern, beispielsweise in Skandinavien und den USA, werden die Streptokokken-A-Schnelltests bereits routinemäßig eingesetzt. In Deutschland nutzt nur etwa ein Viertel der Hausärzte die Tests, bei den Kinderärzten ist die Nutzung etwas weiter verbreitet.

Was ist ein Schnelltest?

Ein Streptokokken-A-Test ist ein schneller Test, der mit Hilfe eines Rachenabstriches anzeigen kann, ob eine Infektion mit Streptokokken-Bakterien der Gruppe A vorliegt. Man bezeichnet diese Art der Diagnostik auch als „Point-of-Care-Testing“ bzw. „patientennahe Sofortdiagnostik“. Unter diesem Begriff versteht man Diagnostik, die direkt in der Arztpraxis bei Patientinnen und Patienten zur Anwendung kommt und schnell Ergebnisse liefert. Abzugrenzen ist das Point-of-Care-Testing von sogenannten Selbsttests, wie etwa der regelmäßigen Messung des Blutzuckers durch Diabeteskranke. Demgegenüber wird das Point-of-Care-Testing immer von geschultem medizinischen Fachpersonal durchgeführt und ausgewertet.

Originalpublikation:

Mägdefrau, A-S et al. (2025): The Impact of Point-of-Care Testing for Group A Streptococcal Pharyngitis on Antibiotic Prescribing and Patient Health Outcomes in Outpatient Care: A Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Controlled Trials. Open Forum Infectious Diseases, Volume 12, Issue 7, July 2025, ofaf407 https://doi.org/10.1093/ofid/ofaf407

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Robby Markwart
Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Jena
Bachstraße 18
07743 Jena
robby.markwart@med.uni-jena.de