NeuroAI: Wenn Gehirn und KI voneinander lernen

Wie beeinflussen sich Gehirnforschung und Künstliche Intelligenz gegenseitig? Forschende im Projekt NEO untersuchen und bewerten die ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte von NeuroAI-Entwicklungen in den Lebenswissenschaften und der Biomedizin.

Kopf einer Frau im Profil, deren Gedanken als binärer Code in Einsen und Nullen dargestellt werden.

Forschende im Projekt NEO arbeiten an der Schnittstelle von Neurowissenschaften und Künstlicher Intelligenz und mit biologisch inspirierten Technologiemodelle.

metamorworks/ Adobe Stock 

Bilderkennung, Diagnostik, Robotik, Neurorehabilitation, neurohybride Schnittstellen oder personalisierte Therapien: Leistungsfähige, auf Künstliche Intelligenz (KI) gestützte Systeme ermöglichen rasante Fortschritte in der Medizin und der medizinischen Forschung. Moderne KI-Systeme können große Mengen unstrukturierter Informationen verarbeiten, Muster erkennen und daraus lernen. KI-gestützte Methoden eröffnen neue Möglichkeiten, das Gehirn besser zu verstehen und neurotechnologische Anwendungen weiterzuentwickeln. Gleichzeitig dienen Prozesse der Informationsverarbeitung im Gehirn und die Funktionsweise biologischer neuronaler Netzwerke als Modell für neue, energieeffizientere und noch leistungsfähigere KI-Systeme.

An dieser Schnittstelle von Neurowissenschaften und KI – auch NeuroAI genannt – arbeiten Forschende im Projekt NEO. Sie untersuchen die ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen, die eng mit den technischen Merkmalen solcher neurotechnologischen Systeme verflochten sind. Die Projektbeteiligten bei NEO werden zunächst eine systematische Analyse des aktuellen Forschungsstandes vornehmen und bestehende rechtliche Rahmenwerke zur KI-Ethik auswerten. Das Team arbeitet nach den Grundsätzen der empirischen Bioethik und einem Embedded-Ethics-Ansatz. Das bedeutet, dass mithilfe von Stakeholder-Interviews ethische Herausforderungen erkannt und normativ untersucht werden und diese ethischen Überlegungen von Anfang an in die Forschung und Technologieentwicklung integriert werden. Ethikerinnen und Ethiker arbeiten – etwa über Besuche in den beteiligten Forschungslaboren in Jülich und Berlin – in enger Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Ingenieurinnen und Ingenieuren und Klinikern daran, neue Lösungen zu entwickeln. Dabei geht es beispielsweise um Computersysteme, die aus biologisch inspirierten oder organischen Materialien bestehen und direkt mit dem Nervensystem verbunden werden können. Dieser Ansatz deckt den gesamten Forschungszyklus ab, von präklinischen Studien bis hin zur klinischen Umsetzung.

Über Workshops, Fokusgruppen und Stakeholder-Interviews wollen die Forschenden ein tiefgreifendes Verständnis der ethischen Herausforderungen von NeuroAI in der praktischen Anwendung gewinnen. Diese stellen sich insbesondere mit Blick auf den Schutz sensibler Gesundheitsdaten, das Vertrauen von Anwendern in die neue Technik sowie Einwilligungsprozesse. Die im Projekt gewonnenen theoretischen und empirischen Erkenntnisse dienen als Grundlage für die Erstellung eines harmonisierten Governance-Rahmens sowie eines praxisorientierten ethischen Toolkits.

Weitere Informationen: NEO - NeuroAI ELSA Observatorium: Ethik und Governance für verantwortungsvolle neuromorphe und KI-gestützte Technologien in biomedizinischen Wissenschaften

Förderinitiative: Ethische, rechtliche und soziale Aspekte von Zukunftsthemen in den modernen Lebenswissenschaften sowie entwicklungsbiologische Forschung und ihre mögliche Anwendung am Menschen

Projekttitel: NEO – NeuroAI ELSA Observatorium: Kollaborative Ethik und Governance für verantwortungsvolle neuromorphe und KI-gestützte Technologien in den Biomedizinischen Wissenschaften

Projektvolumen: 1.083.148

Projektlaufzeit: 2026 – 2029

Projektkoordination:
Prof. Dr. Marcello Ienca,
Technische Universität München – Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
Ismaninger Str. 22, 81675 München

Projektpartner:
Prof. Dr. Surjo Soekadar,
Charité - Universitätsmedizin Berlin – Campus Charité-Mitte – Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Prof. Dr. Francesca Santoro,
Forschungszentrum Jülich GmbH – Institut für Biologische Informationsprozesse (IBI-3)

Prof. Dr. Ruth Horn
Universität Augsburg – Lehrstuhl für Ethik in der Medizin