Bauchspeicheldrüsenkrebs ist besonders gefährlich. Doch je früher der Krebs erkannt wird, desto größer sind die Chancen auf Heilung. Nun wurde ein neuer Bluttest entwickelt, der erstmals eine frühzeitige Diagnose möglich macht.

Die Bauchspeicheldrüse ist ein lebenswichtiges Organ unseres Körpers. Bauchspeicheldrüsenkrebs ist daher eine lebensgefährliche Erkrankung.
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Alles, was wir essen und trinken, muss verdaut werden − es muss in seine Bausteine zerlegt und verwertet werden. Einen Teil dieser lebenswichtigen Aufgabe übernimmt unsere Bauchspeicheldrüse. Die Bauchspeicheldrüse, medizinisch Pankreas, liegt in der oberen Bauchhöhle, zwischen Milz und Leber. Ist sie krank, wird es gefährlich: Eine bösartige Veränderung des Pankreas, das Pankreaskarzinom, gehört weltweit zu den Tumoren mit der schlechtesten Prognose. Jedes Jahr erkranken in Deutschland – nach Angaben des Robert Koch-Instituts – mehr als 20.000 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Aufgrund der ungünstigen Prognose versterben auch fast ebenso viele Personen jährlich an dieser Erkrankung. Tatsächlich waren bösartige Neubildungen des Pankreas im Jahr 2024 die zweithäufigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle in Deutschland.
Frühe Diagnose ist der Schlüssel
Bauchspeicheldrüsenkrebs wird oftmals erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. „Je später die Diagnose jedoch gestellt wird, desto schlechter ist die Prognose für die Betroffenen“, erklärt Professorin Dr. Julia Mayerle, Direktorin der Medizinische Klinik und Poliklinik II am Klinikum der Universität München. Derzeit beträgt die Überlebensrate der Menschen mit Diagnose Pankreaskarzinom nach fünf Jahren nur 13 Prozent, das heißt, in einer Gruppe von 100 Betroffenen sind nach fünf Jahren nur noch 13 Personen am Leben. Im Falle einer frühen Diagnose, wenn es noch gute Behandlungsmöglichkeiten gibt, überleben nach fünf Jahren immerhin 44 von 100 Betroffenen. „Diese Zahlen machen deutlich, dass eine frühzeitige Diagnose der Schlüssel zu einer verbesserten Überlebensrate von Patientinnen und Patienten mit dieser schwer zu behandelnden Krebsart ist“, schlussfolgert die Expertin. „Es gibt deshalb einen dringenden medizinischen Bedarf an einem nicht invasiven, blutbasierten diagnostischen Test zur Früherkennung des Pankreaskarzinoms.“ Das hat sich ein Forschungsverbund unter der Leitung von Professor Mayerle zu Herzen genommen und mit Unterstützung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) eine groß angelegte Studie gestartet. Mit Erfolg: Sie konnten zeigen, dass ein neuer Bluttest mit verschiedenen Biomarkern bei Menschen mit erhöhtem Risiko für Pankreaskrebs wesentlich zuverlässiger den Krebs ausschließen kann als der bisher verwendete Tumormarker CA19-9.
Im Blut zirkulierende Stoffwechselprodukte zur Vorhersage
An der prospektiven METAPAC-Studie, die in der Zeitschrift Lancet Gastroenterology and Hepatology erschienen ist, haben sich 23 Kliniken in Deutschland beteiligt. In die Studie aufgenommen wurden 1370 Patientinnen und Patienten, bei allen wurde mithilfe von Bildgebung eine Auffälligkeit in der Bauchspeicheldrüse gefunden und es war deshalb notwendig, ein Pankreaskarzinom auszuschließen oder zu therapieren. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler suchten im Blutplasma der Studienteilnehmenden nach Biomarkersignaturen, also nach Mustern von im Blut zirkulierenden Stoffwechselprodukten (Metabolite). Sie untersuchten das Blut auf verschiedene Metabolite sowie zusätzlich auf die Erhöhung des Tumormarkers CA19-9. Die Patientinnen und Patienten wurden zwei Jahre nachbeobachtet, um sicherzustellen, ob sich ein Pankreaskarzinom entwickelte oder ob eine andere Diagnose die Ursache des Befunds der Bildgebung war. Die Suche nach Biomarkern erwies sich als erfolgreich: Die Signaturen erkannten ein Pankreaskarzinom in einem noch behandelbaren Stadium mit einer Spezifität von mehr als 90 Prozent und übertrafen damit signifikant den einzigen derzeit blutbasierten Tumormarker für das Pankreaskarzinom CA 19-9, der eine Spezifität von 79 Prozent erzielt. Auch der negative Vorhersagewert, also die Feststellung, dass ein Pankreaskarzinom bei einem Betroffenen ausgeschlossen werden kann, lag bei den neuen Tests bei mehr als 90 Prozent.

In der METAPAC-Studie wurden die Muster von im Blut zirkulierenden Stoffwechselprodukten untersucht. ©NGFN/BMFTR
Bislang kein Test zur Früherkennung verfügbar
Das Ergebnis der Studie ist speziell für Menschen mit einem erhöhten Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs von Bedeutung. Das sind insbesondere Menschen mit einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), Verwandte ersten Grades von Patientinnen und Patienten mit einem Pankreaskarzinom, aber auch normalgewichtige Menschen, die im Alter von über 50 Jahren einen Diabetes entwickelt haben. „Für diese Risikogruppen existiert bisher, im Gegensatz zum Brust- oder Darmkrebs, keine effektive Vorsorge- oder Früherkennungsmethode, mit der sich der Tumor in einem noch heilbaren Stadium diagnostizieren ließe“, so Mayerle. Ein solcher Test würde den Betroffenen weitere, unnötige und belastende Untersuchungen ersparen oder sogar eine Operation.
Zwölf Jahre Forschung führen zum Erfolg
Wie sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun auf genau die Biomarker gekommen, die in der METAPAC-Studie so vielversprechende Vorhersagewerte erzielten? Die Arbeitsgruppe von Professor Mayerle beschäftigt sich bereits seit zwölf Jahren damit, ob sich anhand von im Blut zirkulierenden Metaboliten ein diagnostischer Test für die Früherkennung des Pankreaskarzinoms entwickeln lässt. In drei aufeinander aufbauenden Studien ließen sich aus den über 1600 messbaren Metaboliten im Blut von Pankreas-Erkrankten Muster identifizieren, sogenannte Metabolom-Signaturen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit anzeigen, ob ein Pankreaskarzinom vorliegt oder nicht. Und diese Signaturen haben sich nun in der METAPAC-Studie bewährt.
Mit den im Rahmen der METAPAC-Studie gesammelten Daten und Blutproben werden derzeit noch weitere Folgeprojekte durchgeführt. „Somit tragen wir mit der Bereitstellung dieser wertvollen Probensammlung zu einem maximalen Erkenntnisgewinn für die Forschung bei“, betont Mayerle.
Originalpublikation:
Validation of two plasma multimetabolite signatures for patients at risk of or with suspected pancreatic ductal adenocarcinoma (METAPAC): a prospective, multicentre, investigator-masked, enrichment design, phase 4 diagnostic study; Mahajan, Ujjwal MAghdassi, Ali-Alexander et al. | The Lancet Gastroenterology & Hepatology. DOI:10.1016/S2468-1253(25)00056-1
Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. med. Julia Mayerle
Direktorin der Medizinischen Klinik und Poliklinik II
LMU Klinikum München
Campus Großhadern
julia.mayerle@med.uni-muenchen.de