Juni 2026

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Impfstoffkandidat stärkt Vorsorge gegen künftige Pandemien

Im Kampf gegen neu auftretende Infektionskrankheiten haben Forschende des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) einen Impfstoffkandidat gegen das MERS-Coronavirus entwickelt, der zur Vorbereitung auf künftige Pandemien beitragen könnte.

Das Middle East Respiratory Syndrome-Coronavirus, kurz MERS-CoV, steht auf der Liste prioritärer Krankheitserreger mit pandemischem Potenzial der Weltgesundheitsorganisation. Für diese Erreger werden dringend Impfstoffe und Therapien benötigt.

Logo DZIF

MERS ist seit 2012 bekannt, verursacht schwere Atemwegserkrankungen und hat eine hohe Sterblichkeitsrate von bis zu 36 Prozent. Das Virus zirkuliert weiterhin in Tierreservoiren, beispielsweise in Dromedaren. Obwohl Infektionen beim Menschen bislang selten sind, gilt das Virus als potenzielle Bedrohung für zukünftige Ausbrüche. Bis heute existiert weder ein zugelassener Impfstoff gegen MERS noch eine spezifische Therapie. Auch wenn das Virus bislang vor allem regional auftritt, bergen Zoonose-Erreger wie MERS das Risiko neuer globaler Ausbrüche. Umso wichtiger ist es deshalb, Impfstoffkandidaten als Vorsorgestrategien frühzeitig vor einer möglichen Krise zu entwickeln.

Zusätzliche Boosterimpfung verbessert langfristige Immunantwort deutlich

Der Impfstoffkandidat MVA-MERS-S basiert auf einem abgeschwächten Pockenvirus und präsentiert dem Immunsystem das Spike-Protein des MERS-CoV. In einer Langzeitbeobachtung einer klinischen Phase-I-Studie konnten Forschende des DZIF nun zeigen, dass MVA-MERS-S bei gesunden Erwachsenen eine Immunantwort hervorruft, die auch zwei Jahre nach der dritten Impfung noch stabil ist. 

Drei gekühlte Fläschchen mit dem Impfstoff MVA-MERS-S.

Der in Fläschchen abgefüllte MVA-MERS-S-Impfstoff.

UKE/Leonie Mayer

„Neben neutralisierenden Antikörpern blieben auch spezialisierte Abwehrzellen langfristig erhalten“, fasst Dr. Leonie Mayer vom Institut für Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf die Ergebnisse der Studie zusammen. „Besonders die dritte Impfung stärkte die langlebige Immunantwort deutlich und ermöglichte zudem die Erkennung verschiedener klinisch-relevanter Virusvarianten.“

Ein Dromedar läuft durch die Wüste.

Dromedare gelten als natürliches Reservoir des MERS-Coronavirus und als Hauptinfektionsquelle, von denen das Virus auf den Menschen übertragen werden kann.

Julian Schaldach / Adobe Stock

Die Langzeitdaten schließen eine wichtige Wissenslücke für die strategische Entwicklung von Impfstoffen gegen neu auftretende Erreger. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine zusätzliche Auffrischungsimpfung die langfristige Immunantwort deutlich verbessern kann“, sagt Mayer. Das Ziel der Entwicklung von langfristig wirksamen Impfstoffen ist es, zukünftige Ausbrüche vor allem in Risikogruppen früh einzudämmen und die Gesellschaft insgesamt besser zu schützen.

Pandemievorsorge durch translationale Forschung stärken

Die Studie unterstreicht zudem die Bedeutung translationaler Forschung für die globale Gesundheitssicherheit. Erkenntnisse aus der Grundlagen- und klinischen Forschung können so frühzeitig in Vorsorgekonzepte überführt werden. Gleichzeitig liefern die Ergebnisse wichtige Impulse für Impfstoffplattformen, die auch gegen neue Erreger angepasst werden können.

MERS-CoV: Ein Coronavirus mit pandemischem Potenzial
Das Middle East Respiratory Syndrome (MERS) wird durch das MERS-Coronavirus verursacht. Es wurde erstmals im Jahr 2012 nachgewiesen. Das Virus kann schwere Atemwegserkrankungen auslösen und weist eine hohe Sterblichkeitsrate auf. Als natürliches Reservoir und Hauptinfektionsquelle gelten Dromedare, von denen das Virus auf den Menschen übertragen werden kann. Eine begrenzte Übertragung findet aber auch unter engen Kontaktpersonen wie Familienangehörigen oder Pflegepersonen im gemeinsamen Haushalt statt.

Obwohl MERS bislang vor allem in einzelnen Regionen wie Saudi-Arabien auftritt, gilt der Erreger aufgrund seines Ausbruchspotenzials als relevante Bedrohung für die globale Gesundheit. Die Entwicklung von Impfstoffen gegen MERS dient daher nicht nur der Bekämpfung dieser Erkrankung, sondern stellt auch ein Modell für die Vorbereitung auf künftige pandemische Coronaviren dar.

Die Arbeiten wurden in einem Konsortium des DZIF durchgeführt, an dem neben dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf auch das Institut für Virologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, das Institut für Virologie der Philipps-Universität Marburg sowie das Department of Viroscience am Erasmus Medical Centre in Rotterdam (Niederlande) beteiligt waren. Die Studie wurde durch das DZIF und die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI) gefördert. Die Forschungsarbeiten leisten einen wichtigen Beitrag dazu, wissenschaftliche Innovationen für eine wirksame Pandemieprävention nutzbar zu machen.

Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)
Im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickeln bundesweit mehr als 700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 35 Institutionen gemeinsam neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten. Das DZIF ist eines von sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und den beteiligten Ländern zur Bekämpfung der wichtigsten Volkskrankheiten gegründet wurden.
Weitere Informationen: www.dzif.de.

Originalpublikation:

Mayer L, Fathi A, Weichel HM, Raadsen MP, Dahlke C, Mykytyn A, Rodon J, Gerresheim GK, Te Marvelde MR, Weskamm LM, Grewe I, Schlesner C, Lütgehetmann M, Drosten C, Becker S, Haagmans BL, Hardtke S, Addo MM. Two-year persistence of MERS-CoV-specific antibody and T cell responses after MVA-MERS-S vaccination in healthy adults. Nat Commun. 2026 Jan 9;17(1):480. doi: 10.1038/s41467-025-68248-5. PMID: 41513652; PMCID: PMC12800105.

Wissenschaftliche Ansprechpartnerinnen:
Dr. Leonie Mayer
Institut für Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
l.mayer@uke.de

Prof. Dr. Marylyn Addo
Institut für Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
m.addo@uke.de

Pressekontakt:
Dr. Nicola Wittekindt
Wissenschaftsredaktion / Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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