Gefühle messen und modulieren: Chancen & Herausforderungen

Das Projekt ShiftAffect setzt auf partizipative Ansätze, um Empfehlungen für eine verantwortungsvolle Nutzung von affektiven Technologien zu erarbeiten.

Darstellung einer nachdenklichen Frau, überlagert von einer Technologiegrafik.

Welche Auswirkung hat es, wenn KI Gemütszustände erkennen, analysieren und modulieren kann? Solche affektiven Technologien (AT) werden im Projekt ShiftAffect untersucht.

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Kann ein Computer Gefühle und Stimmungen erkennen? Was, wenn das Smartphone in Echtzeit eigene Gemütszustände und -regungen – Affekte eben – analysieren und beeinflussen kann? Affektive Technologien (AT) werden entwickelt, um Gefühle zu erkennen, darauf zu reagieren und sie vielleicht auch zu verändern oder zu regulieren. Sie können beispielsweise bei der Früherkennung von Krankheiten oder als therapeutische Unterstützung eingesetzt werden. Gleichzeitig werfen sie medizinethische, gesellschaftliche und philosophische Fragen auf, die das Projekt ShiftAffect beleuchten wird. Denn AT können das gesellschaftliche Verständnis von Normalität und Pathologie von Gefühlen verändern und grundlegende Fragen zur Selbstbestimmung aufwerfen.

Die Projektbeteiligten möchten Chancen und Risiken von AT für den Einzelnen, die Medizin und die Gesellschaft aufdecken, kritisch hinterfragen und Handlungsempfehlungen erarbeiten. Das Vorhaben beleuchtet unter anderem folgende Fragen: Welche Auswirkungen haben AT auf den Umgang mit Emotionen, aber auch auf das Selbstverständnis, die Privatsphäre und Selbstbestimmung, etwa von Patientinnen und Patienten? Wie verändern sie zwischenmenschliche und klinische Interaktionen? Und wie gelingt ein ethisch verantwortlicher Umgang mit solchen Technologien in der Klinik und Praxis?

Als Beispiel dienen Traurigkeit, Angst und Schmerz, die in allen Kulturen vorkommen, mit Leiden und Krankheit einher gehen können und von vielen affektiven Technologien adressiert werden. Das Projektteam legt einen Schwerpunkt seiner Arbeiten auf Chancen und Risiken für die besonders gefährdete Gruppe von Personen mit psychischen Erkrankungen.

In einem ersten Schritt werden die normativen und sozialen Auswirkungen von AT philosophisch und medizinethisch analysiert. Darauf aufbauend werden zum Beispiel Klinikerinnen und Kliniker und Anwender in Interviewstudien eingebunden. Anschließend werden in partizipativen Workshops ethische Leitlinien für die verantwortungsvolle, kultursensible und sozial gerechte Nutzung erarbeitet.

Weitere Informationen: ShiftAffect - Eine Analyse der Rolle digitaler Technologien bei der Gestaltung von Perspektiven auf affektive Zustände und soziale Normen

Förderinitiative: Ethische, rechtliche und soziale Aspekte von Zukunftsthemen in den modernen Lebenswissenschaften sowie entwicklungsbiologische Forschung und ihre mögliche Anwendung am Menschen

Projekttitel: ShiftAffect – Eine Analyse der Rolle digitaler Technologien bei der Gestaltung von Perspektiven auf affektive Zustände und soziale Normen

Projektvolumen: 1.017.132 Euro

Projektlaufzeit: 2026 – 2029

Projektleitung:
Prof. Dr. Dr. Orsolya Friedrich,
Universität zu Köln – Medizinische Fakultät – Universitätsklinikum
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin 
Joseph-Stelzmann-Str. 20, Geb. 42
50937 Köln

Projektpartner:
Prof. Dr. Claudia Bozzaro,
Universität Münster – Medizinische Fakultät – Universitätsklinikum
Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin

Prof. Dr. Andreas J. Fallgatter,
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Tübingen

Prof. Dr. Kerstin Ritter,
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät
Hertie Institut für klinische Hirnforschung

Dipl.-Ing. Nora Weinberger,
Karlsruher Institut für Technologie (Großforschungsaufgabe)
Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)