Behandlungsalternative für bakterielle Infektionen

Phagentherapie, der Einsatz von Viren gegen Bakterien, ist ein vielversprechender Ansatz im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen. MEDphage betrachtet in einer Risiko-Nutzen-Analyse die ethischen, rechtlichen und gesundheitsökonomischen Aspekte.

Schematische Darstellung von Bakteriophagen - Viren, die sich an Bakterien heften, um diese zu zerstören.

Können Bakteriophagen eine Lösung im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen bieten? Forschende bei MEDphage untersuchen das Potenzial der Phagentherapie als Behandlungsalternative bei bakteriellen Infektionen.

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Bakterielle Infektionen, deren Erreger Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln, stellen die moderne Medizin vor eine globale Herausforderung. Ein alternativer Behandlungsansatz kann die Phagentherapie sein. Sie nutzt Bakteriophagen, Viren, die ausschließlich Bakterien infizieren und diese gezielt abtöten. Für den Menschen sind solche Bakteriophagen ungefährlich, da Bakteriophagen nur Bakterien, nicht aber menschlich Zellen infizieren können. In Deutschland ist die Phagentherapie bislang jedoch nicht als Standard-Behandlung zugelassen und kann nur in Ausnahmefällen wie insbesondere als individueller Heilversuch angewendet werden.

Hier setzt das Projekt „MEDphage“ an. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Halle-Wittenberg und Leipzig wollen in Kooperation mit dem Bundeswehrkrankenhaus Berlin einen Beitrag dazu leisten, das Potenzial der Phagentherapie als Behandlungsalternative bei bakteriellen Infektionen einzuschätzen.

Im Fokus der Forschenden steht eine Risiko-Nutzen-Analyse der Phagentherapie beim Menschen und eine Bewertung der damit verbundenen ethischen, rechtlichen und gesundheitsökonomischen Aspekte. In einem ersten Schritt analysiert das Projektteam den technischen und medizinischen Stand der Forschung, um diesen sachorientiert für verschiedene Interessensgruppen aufbereiten zu können. Welche Anwendungsbereiche der Phagentherapie sind bereits heute technisch möglich und in naher Zukunft absehbar? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gibt es bereits für deren Einsatz? Wie sollten klinische Studien und Zulassungsverfahren gestaltet werden, um sowohl standardisierte als auch individualisierte Phagentherapeutika in der EU und in Deutschland zur Marktreife bringen zu können? Was sind die ethischen und rechtlichen Anforderungen für Phagentherapeutika hinsichtlich eines gerechten Zugangs und kassenärztlicher Erstattungsverfahren? Dabei beziehen die Forschenden auch Erfahrungen aus EU-Ländern und außereuropäischen Ländern, die bei der Nutzung der Phagentherapie bereits weiter als Deutschland vorangeschritten sind, als Wissens- und Vergleichsquelle ein.

Bereits ab einer frühen Phase werden die Projektbeteiligten relevante Interessengruppen einbinden, darunter Krankenkassen, Vertreterinnen und Vertreter aus dem Pharmabereich, von Regulierungsbehörden sowie Patientenvertretungen. Diese frühzeitige Berücksichtigung unterschiedlicher Bedarfe trägt dazu bei, ausgewogene politische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Empfehlungen zu erarbeiten.

Weitere Informationen: MEDphage - Phagentherapie – medizinische, ethische, rechtliche und gesundheitsökonomische Aspekte neuer antimikrobieller Therapien in der Antibiotikaresistenzkrise

Förderinitiative: Ethische, rechtliche und soziale Aspekte von Zukunftsthemen in den modernen Lebenswissenschaften sowie entwicklungsbiologische Forschung und ihre mögliche Anwendung am Menschen

Projekttitel: MEDphage – Phagentherapie – medizinische, ethische, rechtliche und gesundheitsökonomische Aspekte neuer antimikrobieller Therapien in der Antibiotikaresistenzkrise

Projektvolumen: 970.640 Euro

Projektlaufzeit: 2026 – 2029

Projektkoordination:
Dr. iur. Timo Faltus,
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Juristische und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät - Juristischer Bereich – Lehrstuhl Öffentliches Recht

Universitätsplatz 3 – 5
06108 Halle (Saale)

Projektpartner:

Dr. phil. Hans Zillmann, M.A.,
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Juristische und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät - Juristischer Bereich – Lehrstuhl Öffentliches Recht

Jun.-Prof. Dr. rer. oec. Dennis Häckl,
Universität Leipzig
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät – Institut für Öffentliche Finanzen und Public Management

Kooperationspartner:

PD Dr. med. Thorsten Tjardes,
Bundeswehrkrankenhaus Berlin
Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Septische und Rekonstruktive Chirurgie

Weitere Projektbeteiligte:

Prof. Dr. med. Christian Willy