Wer raucht hat ein höheres Risiko an Depressionen zu erkranken. Erstmals hat die NAKO Gesundheitsstudie diesen Befund der Forschung bestätigt. Die Auswertung zeigte auch: Ein Rauchstopp lohnt sich, denn das Risiko steigt mit jeder Zigarette.

Betrachtet über die Lebenszeit haben Raucherinnen und Raucher häufiger Depressionen als Menschen, die nicht zur Zigarette greifen. © Adobe / methaphum
Rauchen belastet nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern kann sich auch auf die Psyche auswirken. Dieser Zusammenhang ist bekannt und wurde jetzt erstmals in einer Auswertung der NAKO Gesundheitsstudie bestätigt: Menschen, die rauchen oder geraucht haben, entwickeln über die Lebenszeit betrachtet häufiger eine Depression als Menschen, die nicht zum Glimmstängel greifen.
NAKO Gesundheitsstudie
Die NAKO Gesundheitsstudie ist die größte Langzeit-Bevölkerungsstudie in Deutschland und in dieser Dimension auch europaweit einmalig. In 18 Studienzentren werden seit 2014 über 200.000 zufällig ausgewählte Personen wiederholt medizinisch untersucht und nach ihren Lebensgewohnheiten befragt. Ziel der Studie ist es Volkskrankheiten wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser zu verstehen, um sie wirkungsvoller bekämpfen zu können.
Die Studie ist ein gemeinsames interdisziplinäres Vorhaben von Universitäten und Universitätsmedizinen, Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft und weiteren Forschungsinstituten. Über eine Laufzeit von 15 Jahren investieren das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), die beteiligten Bundesländer und die Helmholtz-Gemeinschaft insgesamt bis zu 383 Millionen Euro in die Studie, die der Gesundheitsforschung in Deutschland einen einzigartigen Datenschatz eröffnet.
Dosis und Einstiegsalter machen einen Unterschied
Die Auswertung innerhalb der NAKO Gesundheitsstudie hatte ein Forschungsteam unter Leitung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim vorgenommen. Belegt wurde auch, dass die jeweilige Dosis an Nikotin einen Unterschied macht: Mit steigendem Zigarettenkonsum nahmen depressive Symptome messbar zu (0,05 Symptome mehr pro zusätzliche Zigarette). Eine Rolle spielt zudem das Einstiegsalter: Mit jedem späteren Jahr des Rauchbeginns verzögerte sich das Auftreten der ersten Depressionen um 0,24 Jahre. Umgekehrt belegt die Auswertung aber auch einen positiven Effekt: Wer mit dem Rauchen aufhörte, bei dem lag in der Regel auch die letzte depressive Episode länger zurück (0,17 Jahre für jedes Jahr der Rauchabstinenz).
Detaillierte Angaben von fast 174.000 Menschen ausgewertet
Das Forschungsteam analysierte die Angaben von 173.890 Teilnehmenden der NAKO Gesundheitsstudie im Alter von 19 bis 72 Jahren. In Interviews und standardisierten Fragebögen berichteten sie über ärztlich diagnostizierte Depressionen, aktuelle depressive Symptome, Lebensumstände und ihr Rauchverhalten. Basierend darauf ergaben sich drei Gruppen: 81.775 Menschen, die noch nie zur Zigarette gegriffen haben, 58.004 Ex-Raucherinnen und -Raucher sowie 34.111 aktuelle Rauchende. Aktuelle und ehemalige Raucherinnen und Raucher nannten außerdem das Alter, in dem sie mit dem Rauchen begonnen hatten, die durchschnittliche Anzahl der pro Tag gerauchten Zigaretten und wann sie mit dem Rauchen aufgehört hatten.
Rauchstopp kann psychische Gesundheit langfristig verbessern
Was auch nach der Studie offen bleibt, ist der ursächliche Zusammenhang – ob also Rauchen depressiv macht oder ob depressive Menschen eher zur Zigarette greifen. Weitere Forschungsarbeiten, die u.a. genetische und bildgebende Daten einschließen, könnten helfen, mögliche Kausalzusammenhänge aufzudecken.
Unbestreitbar ist jedoch ein anderes Fazit der Forschenden: „Unsere Beobachtungen unterstreichen, wie wichtig es ist, den Einstieg ins Rauchen zu verhindern und die Entwöhnung zu fördern, um die psychische Gesundheit zu verbessern“, so Dr. Fabian Streit vom Hector Institut für Künstliche Intelligenz in der Psychiatrie am ZI.