04.08.2026

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NAKO-Analyse lässt Dunkelziffer bei Nierenerkrankungen vermuten

Auffällige Werte, aber keine Diagnose: Eine Auswertung der NAKO Gesundheitsstudie lässt eine Dunkelziffer bei Nierenerkrankungen vermuten. Etwa jeder sechste der untersuchten Menschen weist demzufolge Nierenwerte auf, die auf eine Krankheit hindeuten.

Ein Arzt klopft die Nierenregion eines Patienten bei einer Untersuchung ab.

Eine eingeschränkte Nierenfunktion bleibt oft unerkannt. Das belegt eine Auswertung der NAKO Gesundheitsstudie.

Pixel-Shot / Adobe (Foto-ID: 267042395)

Bei vielen Menschen in Deutschland könnten Vorstufen einer Nierenerkrankung vorliegen – ohne dass ihnen das bewusst ist oder eine entsprechende Diagnose vorliegt. Dies belegt eine Analyse der NAKO Gesundheitsstudie (NAKO), der größten Langzeit-Bevölkerungsstudie in Deutschland. Ein Forschungsteam am Universitätsklinikum Freiburg hatte dazu Urinproben von rund 35.000 Personen ausgewertet. Das Ergebnis: Mehr als 6.200 Teilnehmende – also etwa jeder Sechste – wiesen einen oder mehrere auffällige Werte für eine eingeschränkte Nierenfunktion oder Nierenschädigung auf, aber nur rund vier Prozent dieser Menschen hatte eine dazu passende Diagnose erhalten.

Auch bei der Auswertung von Blutproben von rund 195.000 Erwachsenen zeigten sich bei rund 5.000 Teilnehmenden Auffälligkeiten und nur bei 875 dieser Personen war eine entsprechende ärztliche Diagnose bekannt. Oft bleibt eine eingeschränkte Nierenfunktion also offenbar unerkannt. Das könnte zum Gesundheitsrisiko für Betroffene werden, denn unentdeckte Nierenerkrankungen können schwere, zum Teil lebensgefährliche Verläufe verursachen. Eine frühzeitige Diagnose und moderne Therapien könnten solche Verläufe verhindern oder hinauszögern.

Verbesserungspotenzial bei Früherkennung und Kommunikation

Die NAKO-Analyse bietet verschiedene Erklärungen für die Lücke zwischen auffälligen Werten und diagnostizierten Erkrankungen – u. a. Defizite bei der Früherkennung oder in der Kommunikation zwischen Ärztinnen und Ärzten und ihren Patientinnen und Patienten. Manchmal würden Erstbefunde nicht konsequent genug nachverfolgt oder verständlich kommuniziert. „Die Ergebnisse sprechen nicht gegen die Diagnostik an sich, sondern dafür, dass es in der Diagnose-Sicherung, Nachverfolgung und Kommunikation bei Nierenerkrankungen noch Verbesserungspotenzial gibt“, so Prof. Dr. Anna Köttgen, Direktorin des Instituts für Epidemiologie und Prävention am Universitätsklinikum Freiburg.

Klar ist: Eine einmalige Messung reicht nicht für eine Diagnose, auffällige Werte müssen mit weiteren Tests bestätigt werden. Die Studie werfe ein wichtiges Licht auf eine mangelhafte Situation im Bereich der Nierengesundheit, meint auch Prof. Dr. Jan Halbritter, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin IV mit Schwerpunkt Nephrologie am Universitätsklinikum Freiburg. „Wir sehen jeden Tag in der Klinik, welche Schäden spät entdeckte Nierenkrankheiten haben. Dabei kommt es darauf an, die jeweilige Ursache möglichst frühzeitig aufzudecken, um spezifisch behandeln und Nierenfunktionsverlust aufhalten zu können.“ 

NAKO Gesundheitsstudie

Die NAKO Gesundheitsstudie ist die größte Langzeit-Bevölkerungsstudie in Deutschland und in dieser Dimension auch europaweit einmalig. In 18 Studienzentren werden seit 2014 über 200.000 zufällig ausgewählte Personen wiederholt medizinisch untersucht und nach ihren Lebensgewohnheiten befragt. Ziel der Studie ist es Volkskrankheiten wie Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser zu verstehen, um sie wirkungsvoller bekämpfen zu können.

Die Studie ist ein gemeinsames interdisziplinäres Vorhaben von Universitäten und Universitätsmedizinen, Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft und weiteren Forschungsinstituten. Über eine Laufzeit von 15 Jahren investieren das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), die beteiligten Bundesländer und die Helmholtz-Gemeinschaft insgesamt bis zu 383 Millionen Euro in die Studie, die der Gesundheitsforschung in Deutschland einen einzigartigen Datenschatz eröffnet.