Die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm beeinflusst das Risiko, schon in jungen Jahren an Darmkrebs zu erkranken. Der Verbund PerMiCCion will herausfinden, welche Möglichkeiten zur Prävention, Diagnose und Therapie sich daraus ableiten lassen.

Darmkrebs kann auch junge Erwachsene treffen – und viele Todesfälle wären vermeidbar, wenn die Krankheit bereits im Frühstadium erkannt wird. Daran arbeitet der Forschungsverbund PerMiCCion.
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Darmkrebs gilt als Alterserkrankung, immer häufiger jedoch sind auch Menschen im jüngeren Alter betroffen. Möglicherweise hat die Zusammensetzung des Darmmikrobioms, also die Gesamtheit der im Darmtrakt lebenden Mikroorganismen wie etwa Bakterien, Pilze, Hefen und Viren, einen Einfluss auf das Krankheitsrisiko. Denn die unterschiedlichen Spezies und ihre besonderen Eigenschaften helfen zum Beispiel bei der besseren Aufspaltung der Nahrung, beeinflussen in ihrer Gesamtheit das menschliche Immunsystem und können die Entstehung von Krankheiten begünstigen. Exemplarisch für Tumorerkrankungen untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Forschungsnetzwerk PerMiCCion dies für das Auftreten von Darmkrebs bei jüngeren Menschen.
Darmkrebs bei jungen Menschen
Dank des medizinischen Fortschritts haben sich die Überlebenschancen und die Lebensqualität krebskranker Menschen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert, doch bleibt die Zahl der jährlichen Krebsneuerkrankungen sehr hoch. Allein an Darmkrebs erkranken jedes Jahr ca. 60.000 Menschen, und immer häufiger sind auch Menschen in der Altersgruppe von 20 bis 39 Jahren betroffen. Die Forschenden bei PerMiCCion arbeiten intensiv daran, die Gründe dafür zu verstehen – und gemeinsam mit der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs haben sie eine Video-Reihe veröffentlicht, in der Betroffene mit ihren Erfahrungen zu Wort kommen.
Weitere Informationen finden sich hier: Jung & Krebs – Darmkrebs
Neben dem Mikrobiom nehmen die Forschenden zwei weitere Bereiche in den Blick: sozioökonomische Faktoren, die zum Beispiel den Zugang zu vielfältigen und ausgewogenen Nahrungsmitteln beeinflussen, und individuelle Einflüsse wie Alkohol- und Nikotinkonsum sowie körperliche Aktivität und Medikamenteneinnahme. Daraus wollen die PerMiCCion-Teams wirksame Strategien zur Prävention und Diagnose sowie zur Behandlung von jungen Darmkrebs-Patientinnen und -Patienten entwickeln. Aktuell rekrutieren die Forschenden Teilnehmende für eine Studie, in der Mikrobiom-Biomarker in Stuhlproben sowie Ernährungsgewohnheiten untersucht werden, die mit einer besseren Lebensqualität in Zusammenhang stehen könnten.
Weitere Informationen zur Studie finden sich hier:
https://www.permiccion.de/participate_who.html
„Unsere Darmbakterien beeinflussen Entzündungen, das Immunsystem und sogar, wie Tumorzellen wachsen“, beschreibt Professor Dr. Gianni Panagiotou von der Friedrich Schiller-Universität Jena und dem Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“, der am Leibniz-HKI die Abteilung Microbiome Dynamics leitet und den Verbund PerMiCCion koordiniert. „Wenn wir verstehen, welche Mikroben unsere Gesundheit schützen und welche schaden, können wir den Grundstein für eine personalisierte Krebsprävention legen.“
Umfangreiche Datensammlung ermöglicht Risikoanalyse und gezielte Strategien
Gemeinsam haben die Forschungsgruppen in Jena, Bonn, Göttingen, Heidelberg, Freiburg und Münster seit 2022 eine der größten Datensammlungen zum Mikrobiom junger Menschen mit Darmkrebs in Deutschland aufgebaut. Sie enthält Angaben zum mikrobiellen Erbgut, individuellen Stoffwechselaktivitäten sowie Ernährungsfaktoren, die mittels computergestützter Auswertungen und Machine-Learning-Modelle gewonnen wurden.
Eine wichtige Erkenntnis der Forschenden: Häufig weisen Menschen mit Darmkrebs ein charakteristisches Muster aus Bakterien, Pilzen und Viren auf. Dieses „onkogene Mikrobiom“ kann Entzündungen fördern, toxische oder wachstumsfördernde Stoffwechselprodukte bilden und die Immunantwort des Körpers beeinflussen.
Aufbauend auf diesem Wissen wollen die Forschenden ihre Arbeit in den kommenden Jahren angehen: Sie wollen herausfinden, ob bestimmte Darmmikroben bereits bei jungen Erwachsenen das Krebsrisiko beeinflussen und ob sich das Mikrobiom mit gezielten Ernährungsstrategien oder neuartige Probiotika wieder in ein gesundes Gleichgewicht bringen lässt.
PerMiCCion
An dem vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Vorhaben PerMiCCion beteiligen sich sechs Forschungseinrichtungen, drei Partner aus der Industrie und drei Patientenorganisationen. Das Vorhaben startete im Mai 2022 und wurde zunächst für vier Jahre gefördert; nach einer erfolgreichen Zwischenbegutachtung soll die Förderung bis zum Jahr 2030 fortgesetzt werden. Die Förderung erfolgt im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs (NDK), die die steigende Zahl von Darmkrebserkrankungen in jungen Jahren in einen besonderen Fokus nimmt.
Mehr Infos finden sich hier:
Mit Forschung gegen Darmkrebs (NDK-Website)
PerMiCCion (Projekt-Website)