09.04.2026

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Haferkur als Cholesterinsenker: Das Mikrobiom mischt mit

Mit einer kurzen Hafer-Diät lässt sich der Cholesterinspiegel senken. An diesem Effekt sind Mikroorganismen im Darm beteiligt, wie Forschende der Universität Bonn in einer Studie festgestellt haben. Gefördert wurden sie unter anderem vom BMFTR.

Aufnahme eines Tellers mit Haferflocken

Eine kurze Haferflocken-Diät zeigte in einer Ernährungsstudie überraschend deutliche Effekte.   

DLR Projektträger

Im Rahmen einer Ernährungsstudie ist eine Forschungsgruppe der Universität Bonn den gesundheitsförderlichen Wirkungen von Hafer auf die Spur gekommen. Das Team um Juniorprofessorin Marie-Christine Simon am Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften testete die Wirkung einer zweitägigen Haferkur auf den Stoffwechsel.

Kurzzeit-Haferflocken-Diät: 300 Gramm täglich

Für die Studie wurden Menschen mit metabolischem Syndrom ausgewählt – einer Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck sowie erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten. In der Studie sollten sich die Beteiligten dreimal täglich ausschließlich von Haferflocken ernähren, die sie zuvor in Wasser aufgekocht hatten. Sie durften die Mahlzeiten lediglich mit etwas Obst oder Gemüse verfeinern.

Insgesamt 32 Frauen und Männer nahmen an dieser Hafer-Kur bis zum Abschluss teil. Sie aßen an beiden Tagen jeweils 300 Gramm Haferflocken und nahmen dabei nur gut die Hälfte der Kalorien zu sich wie normalerweise. Eine Kontrollgruppe wurde ebenfalls auf eine kalorienreduzierte Diät gesetzt, die allerdings keine Haferflocken enthielt.

Wie die Forschenden im Fachjournal „Nature Communications“ berichten, profitierten beide Gruppen von der Umstellung der Kost. Bei den Versuchspersonen, die sich der Haferkur unterzogen hatten, war der Effekt jedoch deutlich ausgeprägter. „Der Spiegel des besonders schädlichen LDL-Cholesterins sank bei ihnen um zehn Prozent – das ist eine substanzielle Reduktion, wenn auch nicht ganz vergleichbar mit der Wirkung moderner Medikamente“, betont Simon. „Zudem verloren sie im Schnitt zwei Kilo Gewicht und ihr Blutdruck sank ebenfalls leicht.“

Darmmikrobiom im Fokus der Forschung

Doch wie entfalten Haferflocken ihre Wirkungen auf den Stoffwechsel? Das Bonner Team untersuchte dazu das Darmmikrobiom – die Gesamtheit aller Mikroorganismen im Darm der Studienteilnehmenden. Bei der Erforschung der Rolle des Mikrobioms hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) Juniorprofessorin Marie-Christine Simon von 2019 bis 2024 mit 2,5 Millionen Euro gefördert. Ihre Nachwuchsgruppe war Teil des Kompetenzclusters Ernährungsforschung namens Diet-Body-Brain (DietBB).

„Wir konnten feststellen, dass sich durch den Verzehr der Haferflocken die Zahl bestimmter Bakterien im Darm erhöht“, so die Erstautorin der Studie Linda Klümpen. Außerdem verschicken die Mikroben manche ihrer Produkte über den Blutstrom durch den Körper, wo sie unterschiedliche Wirkungen entfalten können. So fanden die Forschenden unter anderem heraus, dass die Darmbakterien durch den Abbau des Hafers phenolische Verbindungen produzieren. Zu diesen chemischen Molekülen zählt die (Dihydro-)Ferulasäure, deren positiver Einfluss auf den Cholesterinstoffwechsel bereits aus Tierstudien bekannt ist.

Kompetenzcluster Ernährungsforschung

Mit der Förderung von vier Kompetenzclustern hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die an Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft aufgebauten Kompetenzen in der Ernährungsforschung von in den Jahren 2015 bis 2024 in ausgewählten Regionen gestärkt und miteinander verzahnt. Ziel der insgesamt mit mehr als 50 Millionen Euro geförderten Kompetenzcluster war es, die Kenntnisse über das Zusammenspiel Mensch-Ernährung zu vertiefen und alltagstaugliche Strategien für eine gesündere Ernährung sowie gesundheitsförderliche Lebensmittel zu entwickeln.

Weitere Infos: Kompetenzcluster Ernährungsforschung

Besser zwei Tage viel Hafer als sechs Wochen wenig

Die positiven Wirkungen der Haferkur waren tendenziell noch sechs Wochen später nachweisbar. „Eine kurze Haferkur in regelmäßigen Abständen könnte somit eine gut verträgliche Möglichkeit sein, den Cholesterinspiegel im Norm-Bereich zu halten und einem Diabetes vorzubeugen“, so Juniorprofessorin Simon.

Allerdings entfaltete das Getreide in der aktuellen Studie seine Wirkung vor allem in hoher Konzentration und in Verbindung mit einer Kalorienreduktion: Eine sechswöchige Diät, bei der Versuchspersonen täglich 80 Gramm Hafer zu sich nahmen, ohne sich ansonsten einzuschränken, erzielte geringe Effekte. Simon: „Nun kann im nächsten Schritt geklärt werden, ob eine sich alle sechs Wochen wiederholende intensive Hafer-Kur auch tatsächlich dauerhaft präventive Wirkung entfaltet.“

Originalpublikation:

Klümpen, L., Mantri, A., Philipps, M., et al. (2026). Cholesterol-lowering effects of oats induced by microbially produced phenolic metabolites in metabolic syndrome: a randomized controlled trial, Nature Communications, https://www.nature.com/articles/s41467-026-68303-9