08.06.2026

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Fr1da-Studie: Schneller Weg zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes

Bei Typ-1-Diabetes kommt es auf eine frühe Diagnose an, um eine möglichst optimale Behandlung starten zu können. Dabei hilft die Teilnahme an der Fr1da-Studie von Helmholtz Munich. Seit Mai wird sie in mittlerweile zwölf Bundesländern angeboten.

Mitarbeiterin im Labor führt eine Blutuntersuchung durch

Dank eines einfachen Bluttests kann Typ-1-Diabetes bereits in einem frühen Stadium festgestellt und behandelt werden.

Helmholtz Munich/Andreas Pfohl

In Deutschland sind etwa 37.000 Kinder und Jugendliche von Typ-1-Diabetes betroffen – damit ist diese Form von Diabetes die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Das Problem: Meistens wird die Erkrankung erst erkannt, wenn schwere oder sogar lebensbedrohliche Symptome auftreten. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Die Erkrankung kann schon mit einem einfachen Bluttest und in einem sehr frühen Stadium festgestellt werden.

Diese Möglichkeit bietet sich über die Fr1da-Studie, an der Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren in mittlerweile zwölf Bundesländern teilnehmen können. Geleitet wird die Studie bei Helmholtz Munich, einem Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). Letzteres wird vom Bundesministerium für Forschung, Raumfahrt und Technologie (BMFTR) und den Bundesländern gefördert.

Mehr als 370.000 Menschen in Deutschland haben einen solchen Typ-1-Diabetes, das entspricht etwa 0,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Betroffen sind auch etwa 37.000 Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 20 Jahren, und jedes Jahr erkranken ungefähr 4.000 Kinder und Jugendliche neu an Typ-1-Diabetes.

Frühe Diagnose bedeutet mehr Zeit für Aufklärung, Vorsorge und Behandlung

Schon wenige Blutstropfen reichen aus, um festzustellen, ob sogenannte Inselautoantikörper im Blut vorhanden sind. Sie sind Zeichen einer Entzündung der insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse und können bereits Jahre vor einem Insulinmangel und einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels nachgewiesen werden.

Die Fr1da-Studie sucht nach solchen frühen Stadien von Typ-1-Diabetes. Kinder- und Jugendarztpraxen in teilnehmenden Bundesländern haben seit 2015 bereits mehr als 240.000 Kinder in der Studie getestet und dabei bei mehr als 730 Kindern ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes entdeckt. Das kann auch klinisch relevant sein, wie eine Auswertung der Forschenden bei Helmholtz Munich belegt: Bei nur 2,5 Prozent der in der Studie diagnostizierten Kinder kam es zu einer gefährlichen Stoffwechselentgleisung infolge eines ausgeprägten Insulinmangels. Ohne eine frühe Diagnose liege diese Rate in Deutschland bei über 20 Prozent, so die Forschenden.

Studie erreicht nun einen Großteil der Bevölkerung

Wird bei einem Kind im Rahmen von Fr1da ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes nachgewiesen, lädt das Team die Familie zu einer ausführlichen Schulung und weiteren Untersuchungen in eine pädiatrische Diabetesklinik ein. Dort bestimmen Ärztinnen und Ärzte, in welchem Krankheitsstadium sich das Kind befindet. Ist der Zuckerstoffwechsel noch unauffällig, gibt es schon erste Stoffwechselveränderungen oder bereits einen manifesten Typ-1-Diabetes? Aufbauend auf dieser Einschätzung legen die Ärztinnen und Ärzte einen Vorsorgeplan mit Kontrollterminen fest. Kinder mit manifestem Typ-1-Diabetes werden in der Regelversorgung weiter behandelt.

„Mit Fr1da sehen wir Typ-1-Diabetes nicht erst dann, wenn Kinder akut erkranken, sondern deutlich früher“, sagt Professorin Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich und wissenschaftliche Leiterin der Fr1da-Studie. „Das schafft Zeit für Aufklärung, Vorsorge, bei Bedarf für medizinische Intervention und hilft uns zugleich, Ursachen und Verlauf der Erkrankung besser zu verstehen.“

Mit der im Mai erfolgten Ausweitung auf zwölf Bundesländer erreiche die Studie nun einen Großteil der Bevölkerung, so Ziegler. Teilnehmen können Eltern und Kinder sowie Kinder- und Jugendarztpraxen in folgenden Bundesländern: Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen.

Weitere Informationen finden sich auf der Homepage des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung unter www.dzd-ev.de sowie auf dem Internetportal der Fr1da-Studie unter https://www.typ1diabetes-frueherkennung.de/.

Typ-1-Diabetes

Beim Typ-1-Diabetes (T1D) entwickelt das Immunsystem aus bisher nicht eindeutig geklärten Gründen eine Autoimmunreaktion gegen die Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Als Folge gibt die Bauchspeicheldrüse überhaupt kein oder eine nur minimale Restmenge an Insulin ins Blut ab. Die Krankheit ist bislang nicht heilbar, so dass Betroffene lebenslang Insulin spritzen müssen.

Typ-1-Diabetes zeigt sich überwiegend schon im Kindesalter – die betroffenen Kinder sind sehr durstig, müssen häufig auf die Toilette und verlieren scheinbar grundlos Gewicht. Ohne ausreichende Behandlung kann diese Form von Diabetes eine schwere Entgleisung des Stoffwechsels auslösen. Enthält das Blut dauerhaft zu viel Zucker, können die kleinen Blutgefäße der Augen, Nerven und Nieren Schaden nehmen und kann die Sehkraft nachlassen. Durch Schäden an den großen Blutgefäßen kann es sogar zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt kommen.