FAQ - In silico-Forschung in der Medizin

Was bedeutet der Begriff „in silico“ in der medizinischen Forschung?

Der Begriff beschreibt Vorgänge, die „im Silizium“, also in Computerchips, ablaufen. Es geht dabei um computergestützte Forschung mittels mathematischer Modelle, Simulationen und Visualisierungen. Sie bringt KI, Daten und Medizin zusammen und ergänzt damit die klassische Forschung im Labor und in der Klinik. In silico-Methoden ermöglichen den Forschenden, Krankheiten besser zu verstehen sowie schnellere Diagnosen und besser wirksame, personalisierte Therapien zu entwickeln

Können In silico-Methoden Versuche an lebenden Organismen (Tierversuche, Humanstudien) vollständig ersetzen?

Tierversuche und Humanstudien komplett ersetzen können In silico-Methoden zwar nicht. Sie ergänzen jedoch klassische Verfahren und können dazu beitragen, präklinische und klinische Forschung zielgenauer durchzuführen, die Anzahl notwendiger Versuche zu verringern und Hypothesen schneller zu prüfen. Sie sind somit als wertvolle Erweiterung der bestehenden Forschungsmöglichkeiten zu verstehen.  

Welchen konkreten Nutzen haben Patientinnen und Patienten von In silico-Methoden?

Durch die Beschleunigung der Forschung können wirksamere und personalisierte Therapien schneller zur Verfügung gestellt werden. Zudem verbessern sie die Diagnostik und Vorhersage von Krankheitsverläufen. Potenziell können In silico-Verfahren anhand eines Patientenprofils die Wirksamkeit unterschiedlicher Therapien vorhersagen und somit vorab bei der Wahl der individuellen Behandlungsoptionen unterstützen. 

Was ist ein digitaler Zwilling?

Ein digitaler Zwilling in der Medizin ist ein virtuelles Abbild einer Patientin, eines Patienten oder eines Organsystems. An ihm können computerbasiert Behandlungen simuliert und auf ihre Wirksamkeit getestet werden, ähnlich wie in einem Flugsimulator. Digitaler Zwilling und lebendiges Original stehen idealerweise im ständigen Datenaustausch.  

Wie hängen Künstliche Intelligenz (KI) und In silico-Forschung zusammen?

KI-Technologien sind ein entscheidender Hebel der In silico-Forschung. Sie ermöglichen es, riesige Datenmengen zu analysieren, Muster zu erkennen und hochkomplexe biologische Prozesse in Sekundenschnelle zu simulieren. KI ist damit ein wichtiger Beschleuniger der In silico-Forschung.

Wie sicher sind die Vorhersagen dieser Computersimulationen?

Die Zuverlässigkeit ist hoch, hängt aber stark vom Umfang und der Qualität der zugrunde liegenden Daten ab. Eine kontinuierliche Überprüfung der Methoden durch den Abgleich mit realen klinischen Daten ist daher unerlässlich.

Wofür werden meine Gesundheitsdaten gebraucht und wie sicher sind sie?

Für den Umgang mit Gesundheitsdaten gelten strenge Regelwerke: Nationale Gesetze sowie die in der EU geltende Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) schreiben strenge Voraussetzungen für die Speicherung, Weitergabe und Nutzung vor. Für die computergestützte Gesundheitsforschung kommen zwei Ansätze infrage: Es werden entweder anonymisierte oder personenbezogene Daten genutzt. Werden Daten verwendet, die auf das Individuum zurückschließen lassen könnten, müssen Patientinnen und Patienten zuvor ihre Zustimmung für die Nutzung gegeben haben. In silico-Forschung arbeitet im Anwendungsfall ohne personenbezogene Daten. Anonymisierte Daten werden zur Methodenentwicklung und zum Training verwendet, meistens nicht mehr bei der konkreten Anwendung.

Wie wird der Transfer der Forschungsergebnisse in die Klinik gestärkt?

Durch In silico-Modellierungen soll der medizinische Fortschritt entlang der gesamten Wertschöpfungskette beschleunigt werden. In silico- Modellierungen zeichnen sich dabei durch einen schnelleren, effizienteren oder sichereren Transfer von Erkenntnissen in die klinische Anwendung aus.

Adressiert die Förderung gezielt einzelne Erkrankungen?

Nein, die Förderrichtlinien sind bewusst themenoffen angelegt. Die Projekte können sich auf bestimmte Organsysteme wie zum Beispiel Auge oder Haut konzentrieren, aber auch auf Krankheitsbilder wie Krebserkrankungen oder inhaltliche Schwerpunktbereiche wie Frauengesundheit.

Werden durch In silico-Forschung auch neue Medikamente entwickelt?

Möglicherweise ja. Die Förderung kann auch Use Cases zur Wirkstoffsuche (Drug Discovery), zur Wirkstoff-Testung und zum Drug Repurposing (neue Einsatzgebiete für bekannte Wirkstoffe) umfassen, die durch KI-Modelle unterstützt werden.

Welche Ziele der Hightech Agenda Deutschland unterstützt die Förderung der In silico-Forschung?

Im strategischen Forschungsfeld der Gesundheitsforschung will die Bundesregierung die Potenziale in der datengetriebenen Gesundheitsforschung durch Künstliche Intelligenz, In-silico-Modellierungen und Computersimulationen von biomedizinischen Prozessen heben. Dafür soll vor allem die Schlüsseltechnologie „Künstliche Intelligenz“ zu einem zentralen Werkzeug der zunehmend prädiktiven und präventiven Medizin der Zukunft werden.